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Acht marode Bahnbrücken in Südniedersachsen

Abfrage der Grünen-Bundestagsfraktion Acht marode Bahnbrücken in Südniedersachsen

Marode Bahnbrücken seien ein ernstzunehmendes Problem, teilt die Bundestagsfraktion der Grünen mit. Auch in den Landkreisen Göttingen und Northeim: Acht der 1100 Brücken, die so marode sind, dass sich das Reparieren nicht mehr lohnt, liegen in Südniedersachsen.

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Marode Bahnbrücke zwischen Mengershausen und Jühnde im Jahr 2016.

Quelle: Swen Pförtner

Landkreise Göttingen und Northeim. Marode Bahnbrücken seien ein ernstzunehmendes Problem, teilt die Bundestagsfraktion der Grünen auf ihrer Homepage mit. Auch in den Landkreisen Göttingen und Northeim, wie sich in der interaktiven Karte der Partei zeigt: Acht der 1100 Brücken, die so marode sind, dass sich das Reparieren nicht mehr lohnt, liegen in Südniedersachsen.

Eine marode Brücke in Göttingen

Drei davon befinden sich auf der Strecke zwischen Uslar und Hardegsen, zwei im Bereich Northeim, je eine auf den Strecken zwischen Adelebsen und Bodenfelde sowie Hedemünden und Hann. Münden und eine im Bereich Göttingen. Das ist das Ergebnis einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung. Bereits 2014 hatten die Grünen eine solche Anfrage gestellt und die Antwort ausgewertet, jetzt ziehen sie durch die erneute Anfrage weitere Rückschlüsse über die 25 700 Bahnbrücken in Deutschland.

Dabei sprechen sie in ihrer Mitteilung von einer „Infrastrukturkrise in Deutschland“. Sie bezeichnen die Verkehrspolitik der großen Koalition als „vier verlorene Jahre“. Der Meinung ist auch Jürgen Trittin (Grüne), Bundestagsabgeordneter und Bundestagskandidat im Wahlkreis Göttingen: „Die Große Koalition macht entschieden zu wenig, um unsere Bahninfrastruktur in Schuss zu halten, was sich auch in unserer Region Göttingen auswirkt“, sagt er und ergänzt: „Wenn die Bahn pünktlicher fahren und zu einem zuverlässigen Verkehrsmittel für die Fahrgäste werden soll, müssen wir an die marode Infrastruktur ran.“ Dafür seien mehr finanzielle Mittel nötig.

1100 Brücken in der schlechtesten Kategorie

Die Schieneninfrastruktur verschlechtere sich immer weiter, heißt es auch in der Grünen-Mitteilung der Bundestagsfraktion: Schon bei der Anfrage 2014 waren 662 Brücken der heute 1100 Brücken in der schlechtesten Zustandskategorie 4 der Deutschen Bahn eingestuft. Die Kategorie beschreibt „gravierende Schäden am Bauwerks­teil, welche die Sicherheit noch nicht beeinflussen“, eine „wirtschaftliche Instandsetzung“ sei nicht mehr möglich, heißt es in einer Definition der DB Netz.

Allein um den Verfall des Bahnnetzes aufzuhalten, müssten bei einer angenommenen Lebensdauer der Brücken von 100 Jahren jedes Jahr 257 Brücken ersetzt werden. Seit dem Amtsantritt der Bundesregierung seien jedoch durchschnittlich nur 115 Brücken im Jahr erneuert worden, lautet die Kritik der Grünen. Selbst ihr Ziel, von 2015 bis 2019 deutschlandweit 875 Brücken zu ersetzen, würden CDU/CSU und SPD so nicht erreichen, heißt es in der Mitteilung. Dem widerspricht Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Im Jahr 2016 wurde die Zahl der (teil-) erneuerten Brücken gegenüber 2015 bereits mehr als verdoppelt. Wir sind daher zuversichtlich, mit unserer Planung die Zielvorgaben zu erreichen“, sagt er.

2,1 Milliarden Euro in Bremen und Niedersachsen für Schieneninfrastruktur

Er erläuterte weiter, dass allein in Niedersachsen in den vergangenen drei Jahren 20 Eisenbahnbrücken saniert, erneuert oder gebaut worden seien. In 2017 würden darüber hinaus insgesamt 13 erneuerte Brücken in Betrieb genommen. Was die Finanzierung angeht, gab er den Grünen und Trittin aber Recht: „Es ist unstrittig, dass nur eine deutliche Anhebung des Investitionsvolumens zur Stabilisierung des Gesamtzustands der Brücken beitragen kann“, sagt der Bahn-Pressesprecher. Gleichzeitig werde aber zurzeit das „größte Modernisierungsprogramm der Geschichte der Deutschen Bahn“ umgesetzt: Zwischen 2015 und 2019 würden rund 28 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur investiert, davon 2,1 Milliarden Euro in Bremen und Niedersachsen – auch für 67 Brücken.

Die interaktive Karte der Grünen zu den maroden Bahnbrücken gibt’s unter gturl.de/karte

Von Hannah Scheiwe

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