Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Grundsteinlegung für Göttinger Sieben-Denkmal

Übergabe im September Grundsteinlegung für Göttinger Sieben-Denkmal

Grundsteinlegung für das Denkmal für die Göttinger Sieben: Am Donnerstag haben Vertreter der Stifter, der Stiftung Niedersachsen, der Göttinger Verwaltung und der beteiligten Handwerksfirmen bei einer Feierstunde im kleinen Rahmen den symbolischen Grundstein gelegt. 

Voriger Artikel
IGS Geismar und Heinrich-Böll-Schule nach Wasserrohrbruch geschlossen
Nächster Artikel
Theater im OP Göttingen zeigt Geschichte der Burg Plesse
Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Das neue Kunstwerk vor dem Bahnhof, das die Künstlerin Christiane Möbus entworfen hat, soll rund 480.000 Euro kosten und ist ein Geschenk an die Stadt Göttingen.

"Ich freue mich, dass das Denkmal nun Gestalt annimmt", sagte Andreas Büchting, Sprecher der Stifter. Mit der provozierenden Skulptur wollten sie die Bedeutung von Zivilcourage und unabhängiger Wissenschaft lebendig halten. In der vorangegangenen "sehr parteipolitischen" Diskussionen hätte er sich mehr Gelassenheit gewünscht.

Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck lobte das Kunstwerk in Gestalt eines Denkmals. Die Grundsteinlegung dafür sei ein "einzigartiges Ereignis" für Göttingen.

Künstlerin Möbus hofft, dass mit ihrem "monumentalen" Werk nun die Göttinger Sieben wieder ins Bewusstsein der Menschen geholt werden.

Bis jetzt nur Beton

Derzeit sind von dem eigentlich Denkmal nur der Kern des Sockels aus drei übereinander gestapelten Betonquadern zu sehen. Bis September soll dieser dann non außen mit Granitplatten verkleidet werden. Zum Schluss bekommt das Denkmal als Abschluss eine Bronzeplatte.  Darauf soll der Hufabdruck eines Pferdes zu sehen sein.

In Form, Farbe, Material und Größe soll der Göttinger Sockel identisch sein mit dem Sockel des Reiterstandbild König Ernst Augusts I. vor dem Bahnhof in Hannover. Einzig Ross und Reiter fehlen beim Göttinger Denkmal, das 2,5 mal 4,1 mal vier Meter misst.

Auf einer Seite steht der Schriftzug „Dem Landesvater seine Göttinger Sieben“, auf der gegenüberliegenden Seite sind die Namen der Göttinger Sieben zu lesen, jener Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und daraufhin von König Ernst August I. entlassen wurden. Ergänzt hat Möbus diese Aufzählung mit ihrem eigenen Namen. Vor allem dieses Detail stieß auf Kritik, vor allem bei den Ratspolitikern von CDU, FDP und Piraten.

Bei dem Sockel handelt es sich um ein Geschenk mehrerer Stifter an die Stadt Göttingen. Zu ihnen gehören neben Andreas Büchting, Aufsichtsratsvorsitzender der Einbecker KWS Saat AG, unter anderem Ottobock-Chef Hans Georg Näder, Kunstmäzen und Verleger Tete Böttger, Rechtsanwalt Jürgen Beyer und Immobilienmaklerin Gesa Baum-Beyer, Verlegerin Christiane Freudenstein-Arnold sowie der Soziologe Michael Schumann.

Sie haben das Kunstwerk angekauft, der Stiftung Niedersachsen übergeben, die nun gegenüber der Stadt als Stifterin auftritt. Matthias Dreyer, Verwaltungsleiter bei der Stiftung Niedersachsen, begründet dieses Vorgehen mit dem organisatorischen Aufwand des Projektes, der von der Stiftung leichter zu bewältigen sei als von Privatpersonen.

Die Ratsentscheidung über die Annahme des Geschenks fiel im Juli 2014 bei 22 Ja-Stimmen zu 19 Gegenstimmen knapp aus.

Für September ist eine öffentliche Übergabe des fertigen Denkmals geplant.

 
►Kommentar: Über Kunst streiten, nicht um Stilfragen

Der Kalauer ist so alt und flach, dass man ihn schon wieder hervorkramen kann: Ist das Kunst oder kann das weg? In diesem Fall müßig, der Sockel steht, und er wird bleiben.

Über Kunst kann man trefflich streiten. Man kann's auch lassen, denn es wird nie eindeutige Ergebnisse im Sinne naturwissenschaftlicher Resultate geben. Das ist nicht nur gut so, sondern auch das Wesen der Kunst.

Über den Sockel vorm Göttinger Bahnhof kann man ebenso trefflich streiten. Kunst? Denkmal? Man kann's auch lassen, denn der Klotz steht.

Über die Gestaltung dieses Denkmals kann man ebenfalls wunderbar diskutieren. Welch harter Kritik-Kern steckt in der gestalteten Botschaft? Enthält diese Spuren von Satire? Handwerklich ordentlich gemacht? Ist der Standort angemessen?

Über ein paar Dinge und Umstände allerdings sollte man nicht diskutieren müssen. Stilfragen gehören dazu und solche des poltischen Handwerks. Sollte tatsächlich die Reihe der Göttinger Sieben optisch um einen weiteren Namen ergänzt werden, der sich in Gestaltung und Platzierung nicht von der Gruppe abhebt, wäre das zunächst einmal eine Anmaßung. Selbstredend hat jeder Künstler das Recht auf eine Signatur, auch darauf, im eigenen Kunstwerk auf andere Art vorzukommen. Für die optische Gleichsetzung mit den Göttingern Sieben allerdings gibt es keine inhaltliche Rechtfertigung.

Es gehört unzweifelhaft zu den Aufgaben von Rat und Verwaltung, die Realisierung dieses Vorhabens nicht zur Posse verkommen zu lassen. Eine Abstimmung über Informationsvorlagen in einer Ausschusssitzung zeugt weder von politischem Gespür, noch von überbordend viel Stilempfinden noch gar von Souveränität im Umgang mit den eigenen Aufgaben. Ratsmitglieder sind per se zunächst Freizeitpolitiker. Denen mag man noch etwas nachsehen. Verwaltungsmitarbeiter werden für ihre Arbeit bezahlt. Die sollten schon wissen, wer worüber wann abstimmen kann und darf.

Von Christoph Oppermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“