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Gummibärchen vom Drogendealer

Zwei Jahre Haft für Göttinger Informatiker Gummibärchen vom Drogendealer

Es lief alles so sicher verschlüsselt ab - entweder im Darknet oder über kryptographierte Webseiten mit Anonymisierungsnetzwerk und Server im Ausland. Dennoch ist im Februar 2015 Deutschlands größter Internet-Dealer aufgeflogen. Diese Woche wurde einer seiner besten Göttinger Kunden verurteilt - zu zwei Jahren Haft.

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Der jetzt verurteilte 31-Jährige ist von Beruf Informatiker.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Er wird nicht der letzte sein. Die Staatsanwaltschaft kann keine genaue Zahl sagen, doch von den rund 4000 Drogenbestellungen, die ein 20-Jähriger aus seinem Kinderzimmer in Leipzig über das Internet abwickelte, kamen etliche aus Göttingen. Mindestens drei weitere Anklagen gegen Göttinger Kunden folgen.

Der jetzt verurteilte 31-Jährige ist von Beruf Informatiker. Über Medienberichte, sagte er im Amtsgericht aus, habe er von der Möglichkeit erfahren, im Netz Drogen zu bestellen. Er habe es mal probieren wollen - die Drogen und die technisch angeblich absolut sichere Bestellung. Mit einer kleinen Order Kokain beim Anbieter Shiny Flakes fing es an. Die bestellt Ware kam prompt, nachdem er sie mit der Internet-Währung Bitcoins bezahlt hatte. Das Zeug soll besonders rein gewesen sein.

Offenbar hat er geschwärmt, denn Freunde und Bekannte wollten nun auch etwas. Seine weiteren Bestellungen - fünf sind angeklagt - waren größer und teils für die Weitergabe oder auch den Verkauf an seine Kumpels bestimmt. 15 bis 20 Interessenten habe es gegeben. Laut Anklage kaufte er neben Kokain auch 50 Gramm des Amphetamins MDNA sowie ein halbes Kilo Speed-Paste. Verdienen, sagt er, habe er am Verkauf nicht wollen. Je Bestellung habe er nur fünf Euro aufgeschlagen. Die Lieferung sei stets zuverlässig gewesen, und es habe mehrfach eine Tüte Gummibärchen vom Dealer als Bonus obendrauf gegeben.

Im Prozess tritt eine Dessous-Händlerin aus Münster auf. Ihr kommt eine entscheidende Rolle zu. Weil der digitale Dealer beim analogen Frankieren seiner Päckchen schlampte, gingen diese zurück an den Absender. Der war angeblich der Dessous-Laden in Münster. Der Dealer hatte die Post unter dieser falschen Adresse aufgegeben. Die Kauffrau packte eins der Päckchen, das mit 95 Cent unterfrankiert war, aus, und fand: keine Dessous, sondern Drogen in alten Videokassetten. Sie rief die Polizei. Mindestens zehn Drogenpakete, unterfrankiert oder mit "Empfänger unbekannt", bekam sie. Danach ermittelte die Polizei und überführte den 20-jährigen Leipziger, bei dem sie eine Excel-Datei mit 4000 Bestellungen samt Email-Adressen und Namen fand.

Als die Polizei bei dem 31-jährigen Göttinger klopfte, hatte der längst vom Ende von Shiny Flakes gehört. Bei der Hausdurchsuchung wurde nichts gefunden, auch keine Spur auf seinem frisch konvertierten Computer. Die Excel-Datei war aber eindeutig, sodass er vor Gericht gestand. Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Drogenhandels erhielt er dafür.

4,3 Millionen Euro Umsatz im Kinderzimmer

Leipzig. Der Online-Drogenhandel "Shiny Flakes" war der wohl bisher größte aufgeflogene deutsche Drogen-Shop im Netz. 4,3 Millionen Euro Umsatz soll der noch zu Hause lebende 20-Jährige aus Leipzig vom Computer in seinem Kinderzimmer aus gemacht haben. Mehr als 4000 Bestellungen von Dezember 2013 bis Februar 2015 sind dokumentiert. Kokain, Ecstasy, Haschisch und verschiedene Designerdrogen waren bei ihm zu bestellen und mit Bitcoins zu bezahlen. Eigenhändig schickte der als Computer-Nerd und Einzelgänger charakterisierte junge Mann den Stoff mit falschen Absenderangaben via DHL an die Besteller. Die Polizei konnte später drei Millionen Euro in digitaler Währung bei ihm sicherstellen. Möglich sei es, so das Landgericht Leipzig, dass der junge Computerfreak noch mehr als eine Million beiseite geschafft habe.

Im November 2015 wurde der 20-Jährige zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt. Er hatte zuvor ein Geständnis abgelegt, aber kein Wort des Bedauerns gefunden. Als Motiv der 15 Monate währenden Taten nahm das Gericht an: Er habe zum digitalen Großdealer aufsteigen wollen. Ein Psychiater hatte dem Heranwachsenden zuvor emotionale Unreife attestiert - deshalb die Jugendstrafe.     

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Ein 20-jähriger Leipziger soll mit fast einer Tonne Drogen gehandelt haben - von seinem Kinderzimmer aus. Der junge Mann soll über 1000 Käufer gehabt und rund 4 Millionen Euro eingenommen haben. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

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