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Gymnasialleiter stellen in Göttingen Gutachten zu Arbeitszeiten vor

„Kein Zeichen von Schwäche“ Gymnasialleiter stellen in Göttingen Gutachten zu Arbeitszeiten vor

Unter 50 Stunden in der Woche„ arbeitet Wolfgang Schimpf „sicher nie“. Und wenn dann wieder eine neue Aufgabe dazu kommt, „dann macht man sie halt“. Wie lange der Leiter des Max-Planck-Gymnasiums und seine Kollegen an niedersächsischen Gymnasien diese „dauerhafte Selbstausbeutung“ noch mitmachen werden, ist fraglich.

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Wolfgang Schimpf

Quelle: EF

Am Mittwoch hat die Direktorenvereinigung der Gymnasialleiter unter Vorsitz von Schimpf Ergebnisse eines Gutachtens zu ihrer Arbeitszeit vorgestellt. Darin stellt der Göttinger Staatsrechtler Alexander Thiele fest, dass sie und ihr Team 50 bis 60 Stunden pro Woche arbeiten – 40 sind erlaubt.

Dieses Ergebnis habe ihn nicht überrascht, sagt Schimpf  „aber der juristische  Hintergrund“. Ihm sei nicht bewusst gewesen, „dass das verfassungswidrig ist“ und  die Schulleiter sogar verpflichtet seien, für Entlastung zu sorgen. Und er habe erkannt, dass die Klagen „kein Zeichen von Schwäche ist“, sondern Realität.

Der Staatsrechts-Professor räumt in seinem Gutachten zwar ein, dass sich die Arbeitszeit von Schulleitern nur schwer erfassen lasse. Er verweist aber auf viele neue Aufgaben, die sie seit 2000 umsetzen müssten – vom Ganztagsbetrieb über Schulinspektionen bis zu neue Förderkonzepten. Dafür habe es aber keine einzige Anrechnugsstunde zusätzlich gegeben. Auch das Assistenzteam sei nicht verstärkt worden. Und mit der jetzt verlängerten Unterrichtsverplichtung auch für Schulleiter habe sich die Lage weiter verschärft.

Das wollen sich die Direktoren nicht länger gefallen lassen. Sie haben drei Schritte angekündigt: Zunächst wollen sie Einwendungen an ihren Arbeitgeber, das Land, senden. Reagiere das Kultusministerium nicht wie erhofft, könnten Überlastungsanzeigen folgen, regt Schimpf an. Auch eine Klage schließt er nicht aus.

„Natürlich hätten wir früher reagieren müssen“, räumt er ein.  „Aber wir mussten erst erkennen, dass so viel Mehrarbeit und unterlassene Fürsorge auch ein rechtliches Problem ist.“ Trotz seiner organisatorischen Aufgaben sieht sich der Deutsch- und Geschichtslehrer nicht als reiner Manager, sondern als „pädagogischer Manager“. Meistens müssten doch pädagogische Fragen, geklärt werden – und wenn es um die Farbe eines Gebäudes geht.“

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