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Gymnasien verweigern Inklusion als Schwerpunkt

Stadt bestimmt Schulen Gymnasien verweigern Inklusion als Schwerpunkt

Keines der fünf Göttinger Gymnasien ist bereit, als Schwerpunktschule frühzeitig inklusiven Unterricht anzubieten. Folge: Alle werden ab August 2013 zwangsweise als inklusive Schule für Kinder mit besonderem Förderbedarf geführt, obwohl sie dafür nicht ausgestattet sind. 

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Markantes Gebäude am Theaterplatz: das Max-Planck-Gymnasium.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In den anderen Schulformen hat die Stadt Schwerpunktschulen ausgehandelt.

Ab August 2013 müssen alle allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen schrittweise inklusiven Unterricht anbieten. Weit über Integrationsklassen hinaus sollen Kinder mit Behinderungen dann einen gleichberechtigten Zugang zu allen Schulen bekommen. Nur im Sekundarbereich bleiben die Förderschulen als Wahlmöglichkeit bestehen. Das Land Niedersachsen ist auch im Zuge der Inklusion für die pädagogische Ausstattung zuständig. Schulträger wie die Stadt Göttingen haben bis 2018 Zeit, alle Schulen räumlich für inklusiven Unterricht auszustatten. In der Übergangszeit müssen sie je Schulform Schwerpunktschulen bestimmen. Dazu hat Schuldezernent Siegfried Lieske nach einem Antrag der Grünen jetzt ein Konzept vorgelegt. Im Primarbereich sollen ab Schuljahr 2013/14 folgende Einrichtungen inklusive Schwerpunktschulen werden: Adolf-Reichwein- und die Brüder-Grimm-Schule (Förderschwerpunkt geistige Entwicklung); Hainbundschule (körperliche und motorische Entwicklung), Wilhelm-Busch-Schule (Hören). Im Sekundarbereich soll die Heinrich-Heine-Schule Schwerpunktschule für körperliche und motorische Entwicklung werden. Die Voigtschule ist als einzige Realschule  automatisch dabei. Gesamtschulen arbeiten bereits faktisch inklusiv.

Schwierig ist offenbar die Lage an den Gymnasien – sie haben abgewunken. In ihrem Konzept erklärt die Verwaltung offiziell: „In Abstimmung mit allen Schulleitungen erfolgt auf deren Bitten keine Schwerpunktbildung.“ Inoffiziell hat sie durchblicken lassen, dass sich schlicht kein Gymnasium bereit erklären wollte, vorzeitig inklusive Schule zu werden. Eigentlich hatte die Stadt bereits 200 000 Euro für Umbauten – zum Beispiel für einen Fahrstuhl – bereit gestellt. Eine Art Lockgeld, auf das kein Gymnasium ansprang. Eine etwaige Beschulung von Schülern in einem Rollstuhl sei auch ohne sofortigen Einbau eines Fahrstuhles möglich – und bereits praktiziert worden, zitiert die Verwaltung die Schulleiter. Jetzt müssen alle Gymnasien ab Sommer 2013 behinderte Kinder inklusiv aufnehmen  – unabhängig von ihrer Ausstattung.

„Das ist bedauerlich, gerade an Gymnasien gibt es eine Grauzone von Kindern mit Defiziten, die nicht wirklich gut betreut werden können“, beklagte im Schulausschuss Rolf Becker (Grüne). „Sehr misslich“, ergänzte Gerd Nier (Linke). Auch für Eltern sei diese Haltung kein gutes Signal, kritisierte die Elternvertreterin Susanne Stobbe. Darüber hinaus beklagten Politiker, dass das Land die Schulen auf dem Weg zur Inklusion personell im Regen stehen lasse. Vor diesem Hintergrund vertagte der Ausschuss eine Abstimmung zum Inklusionskonzept der Stadt.

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