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Haas lehnt neues Kaufangebot für Mündener Altstadthäuser ab

Zur „Vermietung an Asylanten“ bereit Haas lehnt neues Kaufangebot für Mündener Altstadthäuser ab

Karl Herbert Haas, Senior jener Familie aus Bad Orb, der in Mündens Altstadt mehrere leerstehende Immobilien gehört, hat ein erneutes Kaufangebot von Mündens Bürgermeister Harald Wegener (BFMü) abgelehnt. Man sei aber bereit, „Wohnungen für Asylanten zu vermieten“, so Haas.

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Bemalte Schaufensterfronten: Schon im vergangenen Jahr haben Mündener Denkmalaktivisten gegen den Leerstand protestiert.

Quelle: Hinzmann

Hann. Münden. „Es kann uns keiner zwingen, unsere Häuser Investoren für billiges Geld zu überlassen“, sagt Haas und reagiert damit auf ein Schreiben von Harald Wegener von Ende Juli. Der Bürgermeister hatte als Privatmann, wie er betont, der Kokon Verwaltungs- und Grundstücksgesellschaft der Familie Haas noch einmal angeboten, die acht Immobilien für einen Preis von 500 000 Euro zu kaufen. Die erste Offerte in selber Höhe hatte die Familie Haas bereits abgelehnt. Diesmal hält Wegener sein Angebot nur noch im August aufrecht. Ab September, so lässt er die Kokon wissen, reduziere sich das Angebot „monatlich um 30 000 Euro, da die Immobilien schon jetzt unter dem Leerstand gelitten haben“. Es gebe potenzielle Interessenten für fünf der leerstehenden Haas-Immobilien, sagt Wegener im Gespräch mit dem Tageblatt.

 
Haas senior indes macht klar, dass seine Familie nur zu einem Verkauf bereit sei, „wenn wir uns finanziell treffen können“. Die Preisvorstellungen der Immobilieneigentümer liegen allerdings nach wie vor bei 1,5 Millionen Euro – jener Summe, die Karl Herbert Haas seinerzeit für die Häuser bezahlt hat. Nachdem der Senior seine Verpflichtungen gegenüber der Sparkasse Münden nicht einhalten konnte, kamen die Immobilien unter den Hammer und die von Sohn Eppo und Karl Herberts Ehefrau Claudia gegründete Kokon ersteigerte die alten Fachwerkhäuser für 350 000 Euro.

 
Karl Herbert Haas versichert, dass seine Familie die Gebäude herrichten werde, sobald sie das Geld dafür beisammen hätten. „Wenn wir nicht vorhätten, die Häuser in Ordnung zu bringen, dann würden wir sie verkaufen.“ Das allerdings nur, wenn der Preis erzielt werde, den sie sich vorstellten.

 
Eine weitere Option bringt Haas senior im Gespräch mit dem Tageblatt ins Spiel: „Wir sind auch bereit, Wohnungen an Asylanten zu vermieten“, sagt der 67-Jährige und fügt hinzu, wenn der Landkreis einen fairen Mietpreis zahle. „Wir wollen vernünftig sanieren“, meint er, aber je nach Vereinbarung wäre auch denkbar, dass der Landkreis investiere und die Wohnungen mietfrei bekäme.

 
Ein Angebot, die Häuser zur Flüchtlingsunterbringung zu mieten, liege nicht vor, teilt Landkreisverwaltungssprecher Ulrich Lottmann mit. „Nach dem, was aus Presseveröffentlichungen bekannt ist, käme eine Anmietung im gegenwärtigen Zustand nicht in Betracht. Auch Kauf und Sanierung durch den Landkreis sind beim aktuellen Wissenstand reine Spekulation“, so Lottmann. Er betont außerdem, dass für die Flüchtlingsunterbringung nur solche Wohnungen in Betracht kämen, „die gängigen, ortsüblichen Ansprüchen genügen. Im Klartext: Der Landkreis nutzt keine maroden, unzumutbaren Wohnungen zur Flüchtlingsunterbringung.“

 

Haas kritisiert Aktionen der Denkmalaktivisten

Mit unterschiedlichen Aktionen haben die Denkmalaktivisten gegen den Leerstand der Haas-Immobilien in der Mündener Altstadt protestiert. Dazu hat sich jetzt Karl Herbert Haas, Berater der von der Familie gegründeten Eigentümergesellschaft Kokon, im Tageblatt-Gespräch kritisch geäußert.

 
Zuletzt fand in Hann. Mündens Altstadt ein großer Trauermarsch mit Kranzniederlegungen und Kundgebung statt. Außerdem wurden Blumenkübel in die Eingänge der aus Sicht der Denkmalaktivisten baufälligen Häuser gestellt. Dazu wurden in der Stadt vorgedruckte Trauerpostkarten verteilt, die an die Familie geschickt wurden. Etwa 200 dieser Postkarten seien eingegangen. „Alle anonym“, so Haas senior und wundert sich über das, „was jetzt hier passiert“. Er betont: „Wir wollen niemanden ärgern.“

 
Allerdings zeigt sich Haas senior verärgert über die Aktivitäten der Denkmalaktivisten. Es gebe bei der Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Hausfriedensbruch, sagt der 67-jährige Kokon-Berater und frühere Eigentümer der Mündener Gebäude.

 
Den Vorwurf, die Immobilien seien baufällig, weist er zurück. Am Haus Silberfuchs zum Beispiel, einem der markanten Fachwerkhäuser an der Langen Straße, seien damals in Absprache mit dem Bauamt Gipsmarken gesetzt worden, berichtet Haas senior. „Bis heute, 20 Jahre später, hat sich da nichts verändert.“ Die Häuser seien in einem Bauzustand der 60er- und 70er-Jahre.

 
„Man hat uns unterstellt, wir seien Spekulanten“, so Haas weiter, „aber wenn man 30 Jahre lang ein Objekt hält, ist man kein Spekulant“. Dem Vorwurf, die leeren Schaufensterfronten der Haas-Immobilien seien ein Schandfleck in der Innenstadt, hält Haas senior entgegen, dass die leeren Ladengeschäfte für Dekorationen zur Verfügung gestellt werden könnten. „Man muss uns nur fragen“, so Haas. be

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