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Häftling wollte Rauschgiftersatz

Freitod im Knast Häftling wollte Rauschgiftersatz

Es sollte ein Routinebesuch werden, um Niedersachsens jüngste und modernste Haftanstalt kennen zu lernen. Es wurde ein Pressegespräch aus aktuellem Anlass: Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) hat sich am Montag, 9. August, in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf zum Suizid des 36 Jahre alten Häflings Dirk-Oliver C. geäußert(Tageblatt berichtete).

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In einer Zelle und im Fokus der Medien: Anstaltsleiterin Weichert-Pleuger, Minister Busemann und der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch (von links).

Quelle: Pförtner

Er wiederholte, dass es vor der Selbsttötung keine Hinweise auf Suizidgefahr gegeben habe, und dass die Staatsanwaltschaft im laufenden Todesermittlungsverfahren den Hintergrund erforschen werde.

Dabei werde auch der Frage nachgegangen, was in der JVA Celle geschah, wo der Häftling zwei Justizwachtmeister angegriffen hatte, weshalb er am Tag vor seinem Tod in Celle vor Gericht stand. Ob es dort, wie C. behauptete, zu Übergriffen von Justizbediensteten gekommen sei, müsse auch ermittelt werden.

Busemann und Anstaltsleiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger bestätigten, dass C. am Tag vor seinem Tod nach einem Arzt gefragt und eine Methadonbehandlung verlangt habe. Der Häftling war drogenabhängig. Die Anstaltsärztin, die als einzige Rauschgiftersatz hätte verschreiben dürfen, sei an diesem Tag aber nicht im Dienst gewesen. Ein Zurückgreifen auf Ärzte außerhalb der Haftanstalt sei ausschließlich für Notfälle vorgesehen. Man habe C. ärztliche Hilfe für den nächsten Morgen versprochen. Tatächlich hatten die Ärztin und ein Bediensteter den Häftling am Morgen des 1. Juli tot in seiner Zelle im Sicherheitsbereich gefunden. Er hatte sich mit Streifen seines Bettzeugs an einer Sicherungsstange über dem vergitterten Kippfenster erhängt.

Busemann betonte, dass es in dem Fall „keine Strafanzeige“ gebe. Der Anwalt C.s habe nur „Hinweise im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens“ gegeben. Die Staatsanwaltschaft widerspricht: Das Schreiben bitte um strafrechtliche Überprüfung. „Das können wir nur als Anzeige betrachten“, so Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner.

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