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Händler auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt: Glasbläser Bernd Meinhardt

Mehr Kunst als Handwerk Händler auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt: Glasbläser Bernd Meinhardt

Essen, Schmuck, Glühwein, Bürsten, Kunsthandwerk: In 80 Buden preisen auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt dieses Jahr Händler ihre Waren an. Das Tageblatt stellt in loser Folge einige der Verkäufer vor. Heute: der Glasbläser Bernd Meinhardt.

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Glasbläser Bernd Meinhardt bei der Arbeit: Aus Glasklumpen entstehen allerlei filigrane Figuren.

Quelle: Heller

Göttingen. Bunte Sterne, Tiere, Insekten, gar ein kleiner Weberknecht mit Beinen, dünner als ein Draht – und alles besteht aus zerbrechlichem Glas.

Laut dem Duden ist das Kunsthandwerk ein Handwerk, bei dem Gebrauchsgegendstände künstlerisch gestaltet werden. Geht man von dieser Definition aus, hat man es bei dem Stand von Glasbläser Bernd Meinhardt aber mehr mit Kunst als mit Handwerk zu tun, derart filigran und detailreich sind seine Stücke hergestellt. Der 47-Jährige ist Glasbläser und verkauft seine Kunstwerke auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Ursprünglich hat er im Laborglas-Bereich gearbeitet.

Reagenzgläser, Destillationskolben – das war seine Welt. „Aber das hat mich nicht richtig befriedigt“, erklärt Meinhardt. „Ich habe dann lieber den künstlerischen Weg eingeschlagen, auf diese Art kann ich mich besser verwirklichen“
Bereut hat er den Schritt in die Selbstständigkeit nie, sagt  Meinhardt.  „Die ersten ein, zwei Jahre waren aber nicht besonders leicht“, erzählt er.

„Für den Stand in Göttingen arbeite ich immer etwa ein Jahr im Voraus“

Leicht sei es jetzt zwar auch nicht immer, der Stand in Göttingen hingegen läuft fast jedes Jahr sehr gut. Seit 14 Jahren kommt er jetzt schon jeden Winter nach Göttingen. „Der Weihnachtsmarkt hier ist mein wichtigstes Geschäft im Jahr“, erklärt er. Den Rest des Jahres verbringt Meinhardt auf verschiedenen Kunsthandwerkermärkten und Messen in ganz Deutschland. Oder im thüringischen Schachtebich zwischen Heiligenstadt und Friedland – dort steht seine Glasbläserei.

„Für den Stand in Göttingen arbeite ich immer etwa ein Jahr im Voraus“, aber auch direkt auf dem Weihnachtsmarkt geht er seinem Handwerk nach. Konzentriert fügt Meinhardt filigrane Glasteile mit dem Brenner zusammen, es soll einmal ein Glasstern entstehen. Etwa zwanzig Minuten braucht er für so einen Stern, für komplizierte Figuren länger. „Das sieht immer so einfach aus“, findet er, wobei der Laie beim Anblick seiner Arbeit schon eher ins Staunen kommt.

Seine Kollegin Ursula Schwarzbold, die ihn im Verkauf unterstützt, lässt lieber die Finger von Brenner und Gläsern. Ob die 57-Jährige sich schon einmal am Glasblasen versucht hat? „Versucht schon“, sagt Schwarzbold und lacht. „Aber dann haben wir das lieber vorzeitig abgebrochen, bevor es noch Verletzte gibt“, wirft Meinhardt augenzwinkernd ein.

Am Stand geht derweil das Geschäft weiter. Ein junger Kunde kann sich nicht entscheiden. Er hat dieses Jahr zwar schon mehrfach am Stand eingekauft, aber will seine Sammlung noch ergänzen. Wie viele andere ist er Stammkunde von Meinhardt – Göttingen ist eben sein bestes Geschäft.

Von Benni Köster

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