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Häusliche Gewalt wird immer häufiger angezeigt

Positive Kriminalstatistik Häusliche Gewalt wird immer häufiger angezeigt

„Die Göttinger Polizei blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2010 zurück“, sagt der Göttinger Kripo-Chef Dirk Pejril. Und: „Die Menschen in der Region Göttingen können sich nicht nur sicher fühlen, sie sind es auch.“

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Mehr Gaunereien am Geldautomaten: Computerbetrug mit falschen Tastaturen oder im Internet-Bankverkehr nahm 2010 extrem zu.

Quelle: OT

Solche oder ähnliche Formulierungen gibt es jährlich bei der Präsentation der Kriminalstatistik. Die Fakten polizeilicher Bilanz zuerst: Die Zahl registrierter Straftaten in Stadt und Kreis Göttingen (Inspektionsbereich) sank 2010 um 4,6 Prozent auf 20 167. Weniger waren es nur 2006 und 2003. Die Aufklärungsquote stieg auf den Höchststand von 62,26 Prozent – fast so gut wie die auf Landesebene (63), aber zwei Punkte unter der der Direktion Göttingen (64,32). „Göttingen“, sagt Pejril, „ist für Straftäter ein Pflaster mit hohem Entdeckungsrisiko.“

Doch was bedeuten die Zahlen, wenn sich Kriminalität ändert und von Delikt zu Delikt verschieden ist, ob steigende oder sinkende Werte gut oder schlecht sind? Einige Beispiele: Internet-Kriminalität etwa, wo seit Jahren die Fallzahlen steigen und die Aufklärungsquote naturgemäß hoch ist, beeinflusst das Gesamtbild. Jeder Fall von Kinderpornografie liefert den Täter automatisch mit – eine Quote von 100 Prozent. 2010 gab es kein bundesweites Ermittlungsverfahren wegen Kinderpornografie, promt sank die Zahl der Sexualdelikte auf den seit Jahren nicht gehabten Wert von nur 116, davon 16 Vergewaltigungen oder Versuche.

Oder Drogenkriminalität: Blanke Zahlen sagen wenig. Diese sinken seit drei Jahren leicht auf 1028. Gut oder schlecht? Dass fast ein Drittel der Taten (303) solche von Drogenhandel oder -schmuggel sind (im Vorjahr nur 165) beweist nur: Die Polizei hatte tolle Erfolge gegen die Dealer und Hintermänner, ließ die einfachen Abhängigen (652) aber eher in Ruhe (Vorjahr 889).

Schließlich Gewaltdelikte: Der langfristige Trend einer zunehmenden Zahl von Körperverletzungen setzt sich laut Statistik fort. Besonders Fälle häuslicher Gewalt werden immer öfter angezeigt: binnen fünf Jahren von nur 132 Taten (2005) auf 798, davon 287 unter Alkoholeinfluss, also wieder eine steile Steigerung zum Vorjahr (659). Ist das ein gutes oder ein böses Signal? „Es beweist, dass die eigenen vier Wände kein sicherer Hort sind“, sagt Pejril. Aber waren sie das vorher? Es beweist nur, dass von den Gewalttaten in den Familien, die tatsächlich stattfinden, immer mehr angezeigt werden. Das Dunkelfeld wird kleiner.

Und so wird bei diesen Delikten – Aufklärungsquote übrigens immer 100 Prozent – eine besorgniserregend ansteigende Zunahme zugleich zu einem tollen Erfolg für die Polizei. Denn warum werden die Taten, die früher im Familienkreis verschwiegen wurden, denn angezeigt? Weil polizeiliche Aufklärung mit dafür gesorgt hat, dass Gewaltanwendung gegen Frauen, Kinder, selten auch gegen Männer, keine Privatsache mehr ist und konsequent verfolgt wird.

Und so sind nur Deliktfelder wirklich vergleichbar, in denen sich nichts verändert hat. Kernaussagen hier: Diebstahlsdelikte (7083) nehmen seit zehn Jahren kontinuierlich ab, Wohnungseinbrüche (244) im Trend ebenso. Die Zahl der Autoaufbrüche (591) war nie so gering, und nur die Serie der Diebstähle von T4- und T5-Modellen von VW sorgt seit drei Jahren wieder für ein Ansteigen der Entwendungen von Kraftfahrzeugen (104).

  Plus bei Computerbetrug
 

Göttingen (ck). In keinem anderen Bereich der Kriminalität ist die Zahl der Straftaten so stark gewachsen wie beim Computerbetrug: ein Plus von 140 Prozent. Das machte Polizeipräsident Robert Kruse, zuständig für den Polizeidirektionsbereich Göttingen mit 1,3 Millionen Bürgern in acht Landkreisen, deutlich.

So wurden 2010 genau 1184 derartige Taten mit Schaden in Höhe von 387 203 Euro registriert. Im Jahr zuvor waren es nur 494 Taten. Dazu zählen Fälle von Skimming (falsche Tastaturen an Geldautomaten, Ausspähen von Geheimnummern) ebenso wie solche des Phishing (Abfischen von Passwörtern im Internet-Zahlungsverkehr). Im Bereich Hildesheim etwa erbeuteten Täter mit falschen EC-Tastaturen in sechs Fällen 100 000 Euro.
Immer öfter forschen Ermittler einer neuen Form von Phishing nach, dem so genannten „Man in the middle“. Dabei schalten sich Gauner in den Internetverkehr zwischen Kunden und Online-Bank ein, fangen mithilfe einer Schadsoftware, die sie heimlich in die Rechner ihrer Opfer einschleusten, die an sich sichere Verschlüsselung ab und leiten Überweisungsaufträge auf eigene Konten um. Derartige Betrugsprogramme, so Kruse, könne man sich heute bereits beim Surfen auf renommierten Webseiten einfangen.

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