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Handarbeitsgruppe unterstützt das Rote Kreuz

„Alles, außer Unterwäsche“ Handarbeitsgruppe unterstützt das Rote Kreuz

Filzen, stricken, sticken, nähen und mehr: Seit über 30 Jahren gestalten Göttinger Rentnerinnen für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Handarbeiten. Mit den Verkaufserlösen unterstützen sie das DRK, aber eigentlich geht es um mehr.

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Wollig und bunt: Die Handarbeiten der Rentnerinnen überzeugen durch Individualität.

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Mein Gott, was haben sie denn für schöne Sachen“, sei eine häufige Reaktion, wenn sie die Handarbeiten auf Basaren anbiete, erzählt Bärbel Windel. Weil sie mehrere Hundert Euro Einnahmen pro Basar an das DRK spenden, ist Windel „unglaublich stolz auf die Arbeit der Damen“. Vieles davon entstehe in Heimarbeit - Windel und ihre Damen ist der wöchentliche Handarbeitstreff im Begegnungszentrum des DRK in Göttingen aber wichtiger.

Von Strümpfen bis Pullover

„Wollen sie auch einen Kaffee?“ Die Begrüßung dort fällt herzlich aus, strickend umringt die achtköpfige Gruppe den mit Kaffee und Kuchen gedeckten Tisch, auf dem sich auch Stricknadeln und Wolle finden. Damit fertigen sie Strümpfe und Pullover, außerdem besticken sie Tischdecken, nähen Einkaufstaschen und gestalten Bastelarbeiten. „Eigentlich alles, außer Unterwäsche“, fasst die Rentnerin Gisela Dreyer zusammen - und löst eine kichernde Debatte über Wollunterwäsche aus.

Früher gab es allerdings mehr Teilnehmer beim Handarbeitstreff erinnert sich Dreyer. Sie ist eine der Dienstältesten und bedauert, dass das Durchschnittsalter steigt. Als sie seinerzeit anfing, sei sie 48 gewesen - heute ist die jüngste Teilnehmerin 64, viele sind über 80. Dabei wünschen sich die Ehrenamtlichen dringend Neueinsteiger, denn „die jungen Leute bringen Ideen mit,“ sagt Windel.

Nur noch das Ich

Aber obwohl Dreyer gehört hat, „dass Stricken wieder im Kommen ist“, bleiben die Neueinsteiger aus. Warum, wissen die Damen nicht: „Die haben Handarbeit nicht mehr in der Schule gelernt,“ sagt Dreyer. „Die Jüngeren haben doch immer so viel zu tun“, glaubt Emma Steinhoff. Windel hingegen macht die vielen Freizeitangebote für das fehlende Engagement junger Menschen verantwortlich. Dreyer stellt schließlich fest: „Früher gab es noch ein Wir, heutzutage zählt nur noch das Ich.“

Den Mitgliedern der Handarbeitsgruppe ist dieses Gemeinschaftsgefühl hingegen wichtig: Deshalb beginne der wöchentliche Treff auch mit „Kaffee und Klönen“, sagt Windel. Viele der Ehrenamtlichen sind verwitwet oder geschieden und nicht wenigen geht es wie Steinhoff, die es „furchtbar“ findet, alleine zu sein. Und auch Windel gibt zu: „Das Arbeiten ist ein Nebeneffekt.“

Von Christoph Höland

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