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Hat Göttinger einen psychisch kranken Kiffer in dessen Wohnung beraubt?

„Rechte Flanke“ ins Gesicht Hat Göttinger einen psychisch kranken Kiffer in dessen Wohnung beraubt?

Weil er zusammen mit einem unbekannten Mittäter einen 42 Jahre alten Drogenabhängigen in dessen Wohnung in der Innenstadt geschlagen, bedroht und beraubt haben soll, steht seit Mittwoch ein 29 Jahre alter Göttinger vor Gericht.

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Hat ein Göttinger einen psychisch kranken Kiffer in dessen Wohnung beraubt?

Quelle: dpa

Göttingen. Es ist schon der zweite Anlauf des Verfahrens.

Das Amtsgericht gab die Akte an das Landgericht weiter, weil der Amtsrichter das Alibi des die Tat bestreitenden Angeklagten für eine Lüge hielt und davon ausging, dass mehr als vier Jahre Freiheitsstrafe zu verhängen sind - mehr also, als das Schöffengericht ausurteilen darf.

Die Tat soll sich am 3. Oktober 2013 ereignet haben. Das spätere Opfer will den ihm lose bekannten Angeklagten zu sich gerufen und gebeten haben, dass er ihm für 20 Euro Marihuana beschafft. Später sei der 29-Jährige wiedergekommen, habe einen unbekannten, sehr kräftigen Mann mitgebracht und statt Drogen abzuliefern ihm „eine rechte Flanke“ mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Das sei völlig überraschend gekommen. Der Mittäter - „gefühlt 120 Kilo Muskelmasse“ - habe ihn dann mit der Platte seines Couchtisches in Schach gehalten, während der Angeklagte seine Wohnung durchsucht habe. Erst später, als er die Polizei schon gerufen hatte, habe er gemerkt, dass seine Ersparnisse in Höhe von 700 Euro weg seien, sagte der 42-jährige Frührentner.

Wortreich und äußerst blumig schildert der Drogenabhängige, der sich selber „typischer Kiffer“ nennt, die angeklagte Tat. Das alles hört auch ein psychiatrischer Sachverständiger, der sich ein Bild über die Aussagefähigkeit dieses Zeugen machen soll. Denn viele Details, die das vermeintliche Raubopfer aussagt, widersprechen sich mit dem, was von ihm bei der Polizei oder im Amtsgerichtsprozess ausgesagt wurde.

Auch die Polizei wundert sich, dass er Drogen kaufen wollte, statt selber welche zu verticken. Es laufen mehrere Ermittlungsverfahren gegen das angebliche Raubopfer, weil bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Listen mit Gramm-Angaben und Notizen zu Eigenverbrauch gefunden wurden. Eine typische Dealer-Liste.

Auch gilt der Frührentner, der früher „jede Droge genommen habe, die nicht bei drei auf dem Baum war“, als psychisch krank. Die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit sind erheblich.

Weil der Angeklagte die Tat bestreitet und aussagte, am Tattag mit seiner Freundin und deren Familie einen Geburtstag gefeiert und beim Griechen gegessen zu haben, sollen nun alle diese Zeugen gehört werden, um das Alibi zu überprüfen.

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