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Hauptsache XXX-L

Wätzolds Woche Hauptsache XXX-L

Die Siekhöhe wird jetzt endgültig zum XXXL-Areal. Denn neben dem gleichnamigen Möbelmarkt, der seine Ansiedlung derzeit mit einer aufwendigen Image-Kampagne vorbereitet, ziehen dort schon ab nächste Woche die ersten von bis zu 418 Menschen in die neue XXXL-Flüchtlingsunterkunft ein.

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Quelle: CH

Göttingen. Vor allem Menschen, die jetzt noch in kleineren Einrichtungen untergebracht, ehrenamtlich betreut und im jeweiligen Ortsteil teilweise gut integriert sind, leben dann mitten im Industriegebiet. Sie werden dort in nach oben offenen Gipskartons mit bis zu 14 Betten untergebracht. Klingt irgendwie nach Geflügelzucht.

Die Kurzfristigkeit des Umzugs ist übrigens der Tatsache geschuldet, dass die Verwaltung vergessen hat, den ehrenamtlichen Helfern früher Bescheid zu sagen. Kann ja mal passieren und OB Köhler entschuldigte sich auch umgehend für diesen Lapsus. Aber so konnten ihm die Flüchtlingshelfer wenigstens nicht früher mit ihrem erwartbaren Protest auf die Nerven gehen, sondern erst bei der Besichtigung am Mittwoch. Warum die Geflüchteten dauerhaft umziehen müssen, erklärte Köhler dabei übrigens nicht.

Integrationsmaßnahmen sind auf der Siekhöhe immerhin reichlich vorhanden, denn im benachbarten real kauf ist ja ständig Schlager-Bums, da können sich die Fremdländer ausgiebig mit deutscher Light-Kultur vertraut machen - vielleicht werden ja sogar einige so zur freiwilligen Ausreise bewegt!

Nun ist es doch eigentlich geradezu zwangsläufig, im nächsten Schritt beide XXXL-Konzepte zu verbinden und Geflüchtete im Möbelmarkt unterzubringen und zu beschäftigen. Da ist auf jeden Fall schon mal erstklassig möbliert. Außerdem sucht die Kette ja motivierte Mitarbeiter und bietet denen einiges; laut Eigenwerbung "eine hervorragende Ausbildung und beste Karrierechancen". Für Azubis gibt es sogar "Klettern im Hochseilgarten, Schluchten-Überquerungen oder Seifenkistenrennen". Das Möbelhaus strebt eben nicht nach Profit, womöglich gar auf Kosten prekär Beschäftigter, vielmehr "steht der Umgang mit Menschen im Mittelpunkt". Wenn das keine Win-Win-Situation ist, weiß ich es auch nicht mehr.

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