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Heftige Debatte über Windpark bei Bürgerversammlung in Wöllmarshausen

„Wir haben also keinen Einfluss mehr“ Heftige Debatte über Windpark bei Bürgerversammlung in Wöllmarshausen

Es sind nur wenige, die sie ganz und gar ablehnen: „Grauenhaft, wie Sie die Landschaft zerstören wollen“, schimpft ein Mann irgendwann. Am Anfang klagt noch einer über „die unerträglich einseitigen Positionen“ auf dem Podium. Der Sturm der Emotionen aus den Tagen davor aber hat sich gelegt, auch wenn die Empörung bei vielen noch groß ist. Schnell wird klar: Sie haben eigentlich nichts gegen Windräder, aber die geplante Größe und Nähe zu ihren Häusern erzürnt viele.

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Quelle: Hinzmann

Rittmarshausen/Wöllmarshausen. Mehr als 180 Besucher kamen am Montag zur Info-Veranstaltung der Gemeinde über einen geplanten Windpark bei Rittmarshausen und Wöllmarshausen. Zur Vorgeschichte: Vor gut 15 Jahren hat die Gemeinde Gleichen vier Gebiete festgelegt, in denen Windräder gebaut werden dürfen. Damit war sie ihrer Zeit voraus. Zurzeit suchen die meisten Kommunen solche Gebiete, um neuen gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Lange war es um eine 79 Hektar große Fläche bei Rittmarshausen ruhig geblieben – auch weil der Interessent mit dem Landkreis Göttingen über seine Pläne stritt - und siegte. Jetzt soll es ganz schnell gehen: Noch in diesem Jahr will die Firma Turbo Wind fünf Windkraftanlagen bauen – jedes 200 Meter hoch, und zwei nur gut 600 Meter entfernt von Rittmarshausen.

Vor allem das bringt die Anwohner auf die Barrikaden, auch wenn der Gesellschafter und Chef von Turbo Wind, Uwe Thomas Carstensen, versichert: „Auch wir wollen das Wohl der Bürger Vorort bei unserer Planung wahren und wünschen uns einen offenen Austausch.“ Er erklärt, was getan werde, um die Anlagen leise und optische wenig störend zu betreibe. Er betont aber auch: „Alles ist rechtssicher.“ Soll heißen: Er  kann bei aller Kritik bauen wie geplant. Das hatte zuvor schon der Stadt- und Umweltplaner Dirk Puche erklärt. 1998 habe Gleichen die Weichen für den Windpark gestellt. Alle jetzigen Pläne entsprächen auch der weiter entwickelten Raumordnung des Landes und dem Flächennutzungsplan für diese Region. Auch Natur- und Vogelschutz würden berücksichtigt, ergänzte der Umweltgutachter Gerd Brunken.

Viele Besucher reagieren fast geschockt. „Wenn ich das richtig verstehe, haben wir keinerlei Einfluss mehr als  Bürger“, fragte eine Frau aus Rittmarshausen. Aber die heutigen Windräder seien doch viel größer als vor 15 Jahren, stellten andere fest und forderten schon deshalb größere Abstände zu den Häusern. Sie fürchten Geräusche, Schlagschatten und nachts blinkende Flügel, die die Wohnqualität in ihren Dörfern schmälern könnten. Naturschützer Reinhard Urner sieht vor allem Rotmilane gefährdet und kündigte ein Beschwerde bei der EU durch die Biologische Schutzgemeinschaft an.

Carstensen geht auf alle Forderungen und Sorgen ein – hat aber auch immer Gegenargumente. Zwischendurch melden sich auch seine Unterstützer: „Wenn wir keine Atomkraftwerke wollen, müssen wir alternative Energieanlagen dulden.“
Am Ende richten sich alle auf eine weitere Infoveranstaltung ein, um noch offene Fragen zu klären. Und Turbo Wind nimmt den Appell mit „vielleicht doch noch die Abstände ein wenig zu überarbeiten, um die Sorgen der Bürger auszuräumen“. us

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