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"Ganz ruhig eingeschlafen"

Heftige Kritik an Göttinger Tierheim-Mitarbeitern "Ganz ruhig eingeschlafen"

Die Odyssee einer offenbar schwerkranken Hündin hat eine Welle der Empörung in sozialen Netzwerken ausgelöst. Nach Angaben von Mitarbeitern des Katzenhauses Luttertal hätten sich angeblich Mitarbeiter des Göttinger Tierheims nicht zuständig gefühlt für das Abholen des Tieres.

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Potenzielle Tierhalter scheinen vom unfreundlichen Verhalten der Tierheim-Mitarbeiter abgeschreckt worden zu sein.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Für Monika Boßmann, die Leiterin des Katzenhauses Luttertal, begann es mit einem morgendlichen Anruf: Eine Frau habe eine Hündin gefunden – in sehr schlechtem Zustand, auf der Straße, allein, erzählt Boßmann. Ihr zufolge musste die Finderin zur Arbeit, den Hund selbst zum Tierheim zu bringen, war ausgeschlossen. Boßmann nahm selber Kontakt zum Tierheim auf, aber die Hündin abzuholen, sei abgelehnt worden. „Dass dieses Tier jetzt Hilfe braucht, hat das Tierheim nicht interessiert, meint Boßmann.

Am Ende sammelte Boßmann nach eigenen Angaben die Hündin ein, brachte sie zum Tierarzt und nahm sie bei sich auf. Den Vorgang bestätigt Sabine Kober, Leiterin des Tierheims. Allerdings hätte ihr zufolge die Finderin nur die Feuerwehr anrufen müssen. Diese sei grundsätzlich für den Transport von Fundtieren zuständig, worauf das Tierheim auch bei den Anrufen von Boßmann und der Finderin verwiesen habe.

Solche Zuständigkeiten spielen in sozialen Medien hingegen nur eine geringe Rolle: Den empörten Facebook-Beitrag des Katzenhauses Luttertal zu dem Fall haben mittlerweile rund 500 Nutzer geteilt – und wütend kommentiert, was weitere Vorwürfe zu Tage gefördert hat. Die sind kaum zu überprüfen, scheinen  aber das Bild nicht sonderlich entgegenkommender Mitarbeiter zu bestätigen: Freiwillige Helferinnen berichten, wie ihre Hilfsangebote brüsk zurückgewiesen wurden. Sachspenden seien abgelehnt worden, und überhaupt scheinen viele potenzielle Tierhalter vom unfreundlichen Verhalten der Mitarbeiter abgeschreckt worden zu sein - ein Eindruck, den auch zahlreiche Leserbriefe an die Tageblatt-Redaktion bekräftigen

Der Landkreis, dessen Veterinäramt für die Einrichtung von Stadt und Landkreis zuständig ist, betonte, mit den Vorwürfen Dritter gegen das Tierheim vertraut zu sein. Sofern sie Betrieb und Tierschutz beträfen, lägen nach Prüfungen des Veterinäramts keine Mängel vor, erklärt Landkreissprecher Ulrich Lottmann. Bei Facebook hingegen haben sich Tierheim-Kritiker zu Gruppen formiert: Dutzende Erfahrungsberichte haben sie bereits gesammelt, wollen damit an die Öffentlichkeit gehen.

Für die gefundene Hündin ist es wohl ohnehin zu spät gewesen: Sie war nach Boßmanns Angaben so krank, dass sie noch in der darauffolgenden Nacht starb. hö

Das Tierheim Göttingen

Das Göttinger Tierheim an der Leine betreibt der Tierschutzverein Göttingen. Für die Aufsicht ist das Veterinäramt des Landkreises zuständig, die Finanzierung übernimmt hingegen die Stadt Göttingen. Verwaltungssprecher Detlef Johannson zufolge betrugen die Zuschüsse zuletzt rund 40000 Euro jährlich für die Unterbringung und tierärztliche Versorgung von Fundtieren. Außerdem zahle die Stadt Pauschalen für die Unterbringung von durch Feuerwehr und Polizei aufgegriffenen Tieren.

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