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Heiligabend auf der Kinderkrebsstation

Uniklinikum Göttingen Heiligabend auf der Kinderkrebsstation

Nicht jeder hat die Möglichkeit, mit seinen Liebsten zu Hause besinnlich und froh Weihnachten zu feiern. Das wird einem schnell bewusst auf der Kinderkrebsstation im Klinikum Göttingen. Ein Besuch an Heiligabend.

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Mutter Sabine Kirchhof mit Vater Enrico Eitze und der Bruder Tom; vorn Finn-Luca (v.l.)

Quelle: Wenzel

Finn hat erst kürzlich seinen ersten Geburtstag gefeiert - im Krankenhaus. Jetzt verbringt er auch Heiligabend hier, auf der Kinderkrebsstation. Finn hat das Down-Syndrom. Und Finn hat Leukämie. Als der Blutkrebs im November diagnostiziert wurde, sei das "der nächste Schock gewesen", sagt seine Mutter Sabine Kirchhof. Erst kurz zuvor hatte Finn eine schwere Herzkrankheit überstanden. Und dann das: Leukämie.

Sabine Kirchof sitzt mit Finn im Arm in einem isolierten Krankenzimmer. Finn ist durch die Chemotherapie geschwächt. "Aber heute ist er super drauf", sagt seine 41-jährige Mutter. "Wahrscheinlich, weil heute Weihnachten ist." Deswegen sind natürlich auch Finns Bruder Tom (16) und Vater Enrico Eitze zu Besuch. Sabine Kirchhof schläft seit Anfang November, seit Finn auf die Kinderkrebsstation gekommen ist, mit Finn in diesem winzigen Zimmer. Sie kümmert sich, neben dem Team der Kinderkrebsstation,  um ihn, rund um die Uhr. Ehemann und Sohn kommen so oft vorbei, wie es ihnen möglich ist.

"Wir versuchen es uns heute hier so gemütlich und schön wie möglich zu machen", sagt Sabine Kirchhof und drückt ihren kleinen Sohn fest an sich. "Einen echten Baum dürfen wir ja nicht, aber wir haben ein paar Lichterketten." Am Nachmittag des Heiligabends wollten sie Kaffee trinken, einen Spaziergang machen, und dann sei die Bescherung. Geschenke gebe es natürlich trotz der Umstände, sagt die 41-Jährige und lächelt.

"Es ist ungewohnt, hier im Krankenhaus Weihnachten zu feiern", sagt ihr Sohn Tom. "All die Jahre davor haben wir zu Hause unter dem Weihnachtsbaum gefeiert, und jetzt hier." Seine Mutter streicht ihm durchs Haar. "Das macht ihm ganz schön zu schaffen", sagt sie und schluchzt. Tom drückt ihre Hand. Und Finn jauchzt plötzlich. Alle lachen.

"Der Finn hat so ein sonniges Gemüt. Es kann noch so schlecht gehen, er lacht trotzdem", sagt Sabine Kirchhof und strahlt ihren kleinen Sohn an. "Auch die Schwestern sind gang begeistert von ihm."

Zurzeit gehe es Finn "richtig gut". Den ersten Chemoblock habe er gut überstanden. "Er macht das super", sagt seine Mutter. Die Chancen auf einen Heilung stünden gut. "80 bis 90 Prozent, sagen die Ärzte", erklärt Sabine Kirchhof.
Nach dem zweiten Chemoblock Ende Januar darf sie mit ihrem Sohn dann wahrscheinlich wieder nach Hause. "Ich freue mich auf den Alltag, und auf Streitgespräche mit meinem Großen", sagt sie und knufft Tom in die Seite. "Ach ja, und endlich mal wieder im eigenen Bett schlafen, das wäre schön", sagt die 41-Jährige. Ganz oben auf ihrem Wunschzettel stehe aber natürlich, dass Finn wieder gesund wird - "und dass der Große seine Schule packt". Und es sei ihr wichtig, dass die Familie an Heiligabend zusammen sei.

"Ich wünsche mir auch, dass Finn wieder gesund wird. Und dass er gesund bleibt", sagt Tom. "Der Rest ist erst mal nebensächlich." Das sieht auch Vater Enrico Eitze so. "Der Kleine soll gesund werden", sagt er. "Weihnachten ist mir in diesem Jahr nicht so wichtig. Hauptsache, wir sind alle zusammen."

Auf der Kinderkrebsstation bereiten die Schwestern Simone Mascher und Stefanie Bode unterdessen die Geschenke für die Kinder vor. Prof. Christoph Kramm, der Leiter der Kinderkrebsstation, sieht auch noch einmal nach dem Rechten. "Viele Kinder sind heute, an Heiligabend, zu Hause", sagt Kramm. "Heute sind wirklich nur die Kinder hier, die hier sein müssen. So wie Finn."

Und alle bekommen sie Geschenke, von ihren Liebsten und den Kinderkrankenschwestern, auch Finn. Was es sein wird, ist noch geheim. Aber Finn wird sicherlich wieder laut jauchzen.

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