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Heilsarmee feiert 150-jähriges Bestehen

Jubiläum Heilsarmee feiert 150-jähriges Bestehen

„Suppe, Seife, Seelenheil!“ Unter diesem Motto kümmert sich die Heilsarmee seit 150 Jahren um Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Freikirche, die vom 1. bis 5. Juli in London ihr Jubiläum feiert, betreibt in Göttingen ein Altersheim für Wohnungslose.

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Leitet das Heim der Heilsarmee in Göttingen: Sozialpädagogin Esther Gulde.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Jahrelang haben sie sich ohne eigene Wohnung durchs Leben geschlagen. Auf ihre alten Tage sind sie nun doch noch sesshaft geworden. 14 Männer wohnen derzeit in der Unteren Maschstraße 13 b. „Der Älteste ist mehr als 80 Jahre alt“, berichtet Sozialpädagogin Esther Gulde (32). Sie leitet die Einrichtung gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Zimmermann Klaus Gulde (49). Das Paar wohnt mit seinen zwei kleinen Söhnen im Heim.

80 Prozent der Bewohner seien Alkoholiker. „20 Prozent leiden unter psychischen Erkrankungen; die Tendenz ist steigend“, sagt Gulde. Auch physisch seien die Bewohner angeschlagen. Wenn sie aufgenommen würden, hätten sie oft seit langem keinen Arzt mehr gesehen. Dann werde schon einmal bei dem einen Krebs im fortgeschrittenen Stadium, bei einem anderen eine beginnende Demenz festgestellt.

Alkoholkonsum ist in den Räumen der Heilsarmee verboten. Die Bewohner dürfen sich aber Alkohol kaufen und ihn außerhalb der Einrichtung trinken. „Wer seit 40 Jahren abhängig ist, kommt davon in der Regel auf seine alten Tage nicht mehr los“, erklärt Gulde. Nicht alle Wohnungslose würden im Heim glücklich. Manche verlören den letzten Lebensmut. „Sie trinken sich mit Schnaps zu Tode“, hat die Heimleiterin beobachtet.

Seit zwei Jahren bietet das Altersheim auch vier Plätze für Frauen an. Derzeit sind sie nicht besetzt. „Frauen verfügen über tragfähigere Netzwerke als Männer und kommen meistens irgendwo anders unter“, erklärt sich das Gulde. Es gab Bewohnerinnen, aber sie blieben nicht lange. „Dabei spielten psychische Erkrankungen, die bei Frauen häufiger auftreten, eine Rolle“, meint die Sozialpädagogin.

Neben den Senioren nimmt die Heilsarmee Personen auf, die die Polizei nachts aufgreift. Fünf Notbetten hält die Einrichtung für diesen Zweck vor. Die Küche des Hauses versorgt jeden Hungrigen, der vor der Tür steht. Sie beliefert außerdem einmal in der Woche die Straßensozialarbeit sowie regelmäßig Häftlinge in den beiden Göttinger Polizeidienststellen mit Mahlzeiten. Offen für alle Bedürftigen ist die Kleiderkammer.

Auf die Betreuung von alten Menschen hat sich das 1971 eröffnete Heim seit 2011 spezialisiert. Vorher stand es für alle durchreisenden Obdachlosen offen. Doch dann zahlte der Träger nicht mehr für Bedürftige, die noch erwerbsfähig sind. Dem Heim drohte die Schließung. „Derzeit ist die Lage stabil. Rücklagen haben wir aber keine“, sagt Gulde. Geld- und Sachspenden, etwa Kleidung, Sessel oder Fernseher, kann die Einrichtung gebrauchen. Sie ist telefonisch unter 0551/42484 zu erreichen.

Von Michael Caspar

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