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Heimatforscher aus Waake finden alte Akten, Schriften und Dokumente

Schatz aus Papier Heimatforscher aus Waake finden alte Akten, Schriften und Dokumente

Vielleicht rollen sie die Geschichte des Dorfes ganz neu auf. Vielleicht geben sie manchem Bürger andere Einblicke in die Familienchronik. Bisher jedenfalls weiß niemand genau, was die vergilbten Papiere beinhalten. Aber die Mitglieder des Heimatvereins und Landes-Archivrat Söhnke Thalmann sind sicher: Sie sind ein Schatz.

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Schatzsucher: Wolfgang Schröter und Dieter Kulle sichten mit Archivar Söhnke Thalmann (v.l.) die vergilbten Papiere.

Quelle: Hinzmann

Waake. Ein Schatz fast wie aus einem Märchen – inklusive seiner Entdeckunggeschichte: In einer großen Holzkiste auf dem Dachboden der alten Schule haben die Heimatforscher aus Waake viele alte Akten, Schriften und Dokumente gefunden. In einer Kiste unter einer dicken Staubschicht.

„Notum Waaken“: Urkunde von 1722.

Unterlagen aus dem Jahr 1722

Bis 1722 reichen die Unterlagen zurück, die jüngsten stammen aus den ersten Nachkriegsjahren. Offenbar sind es Unterlagen aus den früheren Amtsstuben der Gemeinde. „250 bis 300 Jahre Leben in Waake zusammengefasst, das haben wir eher selten für so ein kleine Gemeinden“, sagt Thalmann. Er hat die Unterlagen jetzt mitgenommen ins „Hauptstaatsarchiv Hannover“, eine Abteilung des  Niedersächsischen Landesarchivs. Dort werden sie gesichtet, sortiert und klimatisiert gelagert, zugänglich für interessierte Hobby- und Profi-Historiker. Sie könnten darin auf spannende Geschichten, neue Daten und Belege zur Entwicklung Waakes stoßen, vielleicht auch auf interessante Informationen  über einstige Bürger und Familien aus dem Dorf.

Alte Rechnungen der Gemeinde sind ebenso darunter wie Tätigkeitsnachweise inklusive Lohnabrechnungen eines früheren Ortsvorstehers. In Steuerlisten ist penibel erfasst, wie viel Geld die Bürger einst abgeben mussten. Auch Wahlunterlagen und alte Stimmzettel sind unter den Papieren. Und viele Prozessakten – die wohl spannendsten Unterlagen. „Offenbar waren die Waaker ein streitbares Volk“, scherzt Thalmann.

Sreit über Braurechte

Da gibt es zum Beispiel Protokolle und Urteile von 1733 über einen Streit der Bürger mit ihrem damaligen Gutsherrn von Wangenheim über Braurechte. „Das wird unseren Brauverein besonders interessieren“, ist der Vorsitzende des Heimatvereins, Dieter Kulle, sicher. Der wird es allerdings schwer haben, die Papiere zu lesen. Die älteren Dokument sind in Handschriften verfasst, die heute kaum noch jemand kennt – teilweise in Sütterlin, viele in Currentschrift. „Eine damals übliche Geschäftsschrift“, erklärt Thalmann. Da wundert es nicht, dass sich über die Jahrhunderte auch die Schreibweise des Ortsnamens Waake verändert hat. In den Unterlagen heißt es mal Waacke (1734) , mal Wake (1802) und zwischendurch auch mal Waaken.

Dass die losen und nur mit Bindfaden gebündelten Papiere die lange Zeit bis heute unbeschadet überstanden haben, sei ein Glücksfall, so der Landes-Archivar. Und eine Folge ihrer Lagerung: Die massive Kiste und ihre zugiger Standort auf dem Dachboden hätten verhindert, dass Feuchtigkeit, Licht und Nagetiere dem Papier zusetzen konnten. Kulle und seine Mitstreiter vom Heimatverein waren völlig überrascht, als sie auf die Holzkiste stießen: 1,20 Meter breit, 60 Zentimeter tief und gut einen Meter hoch stand sie in einer Ecke zwischen alten Schulbänken und Bücherkartons . Bis zum Rand hatte jemand die Papiere darin geschichtet und mit dem schweren Deckel verschlossen.

Neugieriger Experte

Niemand weiß, wie sie dort hin gekommen ist und seit wann sie dort stand. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass wir Hilfe brauchen, um sie zu bewerten“, erzählt Kulle. Über Umwege stieß der Verein auf Thalmann. „Fotos und die ungewöhnlichen Fundumstände“ hätten gereicht, um ihn „neugierig zu machen“, verrät der Experte. Und dann sei schnell klar gewesen: Dieser Schatz gehöre ins Staatsarchiv, sicher verwahrt, katalogisiert und zugänglich für wissenschaftliche Historiker, Ortsheimatpfleger, Ahnenforscher und andere Interessierte.

Bevor Thalmann die Unterlagen abholen konnte, musste allerdings noch eine Formalie erledigt werden: Der Gemeinderat musste als eigentlicher Besitzer der alten Gemeindeakten zustimmen – per Schenkungsurkunde.

Internet: heimatverein-waake-boesinghausen.de

Schatzkammer: Schröter (limks) und Kulle inspizieren die alte Kiste auf dem Dachboden. © Hinzmann

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