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„Satire ist ein Werkzeug“

„Die Partei“ Göttingen „Satire ist ein Werkzeug“

Die Partei „Die Partei“ hat es geschafft: Bei der Kommunalwahl im September hat sie je einen Sitz im Rat der Stadt und im Kreistag errungen. Helena Arndt (Stadt) und Rieke Wolters (Kreis) wollen dort künftig Politik machen.

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„Wir sind die Partei der Liebe“: Rieke Wolters und Helena Arndt (v. l.) von der Partei „Die Partei“.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Vor der ersten Ratssitzung sei sie schon ein „bisschen nervös“, sagt Helena Arndt und spricht von „Angst und Panik“. „Ach, haben wir doch gar nicht“, fällt Rieke Wolters ihr lachend ins Wort. Die beiden Freundinnen - auch jenseits von Politik und Partei - machen sich Mut auf ihrem Weg in die Kommunalpolitik. Und ganz allein sind sie auch nicht, sie suchen sich Unterstützung. Arndt bildet inzwischen im Rat eine Gruppe mit den Piraten, Wolters will im Kreistag nach Möglichkeit ebenfalls mit den Piraten und zusätzlich mit den Linken zusammenarbeiten.

„Was kann schon passieren?“, hatte sich Wolters gefragt, als sie sich hat zur Kreiswahl aufstellen lassen. Nach 3375 Stimmen für die Partei, davon 75 Direktstimmen für die 22-jährige Ostfriesen war klar: Sie zieht mit 0,81 Prozent in den Kreistag ein. Auf den letzten Metern kegelt sie auch noch die NPD raus. „Unser erstes Wahlziel haben wir damit schon erreicht“, sagt Wolters, die in Göttingen Arboristik studiert. Erst vor etwa einem Jahr ist die gebürtige Ostfriesin - inspiriert von ihrem älteren Bruder und einem Konzert der Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. - in die Partei eingetreten. Politisch aktiv war sie vorher nicht. Beim Parteitag in Erfurt traf sie im diesem Mai zum ersten Mal die Göttinger Parteimitglieder. „,Du trittst für uns an‘, haben sie gesagt“, sagt Wolters. Der Rest ist Geschichte.

„Die Partei“ eine Spaßpartei? Arndt findet das nicht. „Spaßparteien sind doch die FDP und die AfD“, sagt sie und bekennt: „Ich habe auch schon einmal FDP gewählt.“ Ihr Lebensmotto heute: „Being Andrea Nahles. (Langzeitstudium Politikwissenschaften - Bundestag - Arbeitsministerin)“. Seit fünf Jahren ist die 34-jährige Arndt inzwischen Partei-Mitglied. „Martin Sonneborn fand ich lustig“, sagt sie. Der „teilweise grenzwertige Humor“ ihrer Familie habe entscheidenden Einfluss auf ihren eigenen Humor gehabt. 140 Direktstimmen bekam sie bei der Kommunalwahl, 3459 Stimmen (2,66 Prozent) die Partei in Göttingen.

„Satire ist ein Werkzeug“, sagt Arndt. Ein Werkzeug, mit dem sie ihren Ratsanträgen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen will. „Stinknormale Anträge, die nur durchgewunken werden“ und wie sie andere Parteien stellen sind nichts für die studierte Politikwissenschaftlerin und Volkswirtin. Die Umbenennung Göttingens in „Martin-Sonneborn-Stadt“ oder die Ausrichtung eines „Genderlieselwettbewerbes“ schweben ihr dabei vor. Es gehe aber stets darum, mit Satire ernste Themen aufzugreifen oder Zusammenhänge darzustellen. Als Beispiel, wie das aussehen kann, nennen Arndt und Wolters die Rede des Frankfurter Stadtverordneten Nico Wehnemann von der Partei, in der er eine AfD-Resolution gegen die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ auseinander nimmt.

Arndt und Wolters geben sich aber friedlich: „Wir sind die Partei der Liebe“, sagen sie.

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