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Hells Angels MC Chapter Göttingen verboten und aufgelöst

Großaktion gegen Treffpunkt in Adelebsen Hells Angels MC Chapter Göttingen verboten und aufgelöst

Mit dem Hells-Angels-Spuk in Adelebsen ist es vorbei: Nach einem Verbot des Hells Angels MC Chapter Göttingen durch das niedersächsische Innenministerium durchsuchte die Polizei am frühen Freitagmorgen den Hells Angels-Treffpunkt in der Langen Straße in Adelebsen und stellte etliche Gegenstände sicher.

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Durchsuchung und Schließung des Hells-Angel-Clubhauses in Adelebsen. Die Hells Angels-Symbole am Eingang wurden übermalt.

Quelle: dpa

Adelebsen/Hannover. Gleichzeitig wurden mit mehr als 300 Polizisten 15 weitere Objekte in Niedersachsen durchsucht, elf von ihnen in Südniedersachsen.

Weitere Durchsuchungen betrafen drei Wohnungen in Braunschweig und eine in Hannover. Damit sei zum ersten Mal in Niedersachsen ein Rockerclub verboten worden, erklärte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Begründet wurde das Verbot unter anderem mit Ermittlungen gegen den Chef der Göttinger Hells Angels wegen des Verdachts der versuchten Erpressung. Außerdem gebe es „polizeiliche Erkenntnisse zu anderen Straftaten“, erklärte Landespolizeipräsident Uwe Binias am Freitagmittag in Hannover. Gegen die 14 Mitglieder des Göttinger Clubs liefen etwa 90 Ermittlungsverfahren.

Beschlagnahmt wurden unter anderem sechs Motorräder, Deko-Waffen und sogenannte Kutten, aber auch Drogen, Hieb- und Stichwaffen, Computer, Mobiltelefone, Laptops und USB-Speichersticks. Um 6 Uhr früh waren ein Dutzend Polizeifahrzeuge in Adelebsen angerückt. Beamte sperrten den größten Teil der zu diesem Zeitpunkt menschenleeren Langen Straße und drangen ins Vereinshaus ein.

Symbole übergemalt

Sofort wurden die Angels-Symbole wie das „81“-Zeichen oder die Ein-Prozent-Raute auf der Eingangstür übermalt. Durchsucht wurde auch das Auto des lokalen Hells-Angels-Chefs. Dem 48-Jährigen, der zurzeit wegen des Erpressungsverdachts in Kassel in Untersuchungshaft sitzt, wurde ebenfalls frühmorgens die Verbotsverfügung gegen seinen Hells-Angels-Verein zugestellt.

Nicht betroffen von der Durchsuchung war die Pizzeria im anderen Hausteil. Das Lokal habe trotz seines Namens Rockys nichts mit den Rockern zu tun, versichert der Besitzer.

Pistorius begründete die Aktion unter anderem damit, dass es in Niedersachsen erstmals gelungen sei, konkrete Straftaten einem Hells-Angels-Chapter zuzuordnen. Auch habe das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung eine Rolle gespielt – das Verbot wirke befriedend.

Patrick Riebe, Anwalt der betroffenen Hells-Angels-Mitglieder, kritisierte hingegen die groß angelegte Polizeiaktion. Das Vorgehen des Innenministeriums sei „völlig überzogen und lächerlich“. Die meisten Mitglieder der Göttinger Hells-Angels-Abteilung seien keine gefährlichen Gewaltkriminellen, sondern normale und freundliche Menschen aus der Region.

„Wichtiges Signal“

Bewohner von Adelebsen sehen das Verbot unterschiedlich. Die einen zeigen offen ihre Freude darüber, dass die Rocker verschwunden sind. Andere hingegen meinen, die Mitglieder, die zudem aus der Region stammen und dort gut bekannt seien, träten im Ort höflich und normal auf. Allerdings: Offen reden will niemand.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) begrüßte das Verbot: „Innenminister Pistorius setzt mit dem Verbot ein wichtiges Signal gegen organisierte Kriminalität. Die ,Rocker‘ haben schon zu lange in Güntersen und Adelebsen ihr Unwesen getrieben.“

Allein mit einem Verbot aber sei das Problem noch nicht aus der Welt. Polizei, Staatsanwaltschaft und Behörden vor Ort müssten verhindern, dass sich die Hells Angels verdeckt neu organisierten. Die Göttinger Grünen ergänzten, bei den bundesweiten Rockertreffen in Güntersen sei es zu „zu bedrohlichen, nicht hinnehmbaren Situationen gekommen und zu Übergriffen auf die Bürgerrechte einzelner Dorfbewohner“.

Für den Landkreis Göttingen betonte Landrat Bernhard Reuter (SPD), Verbot und Polizeiaktion bedeuteten „die Unterstützung, die wir brauchen, um den Güntersern und den Adelebsern den Rücken zu stärken“. Das Auftreten der Hells Angels störe massiv das friedliche Zusammenleben in den betroffenen Orten.

Die frühere Adelebser Bürgermeisterin Dinah Stollwerck-Bauer (CDU) erklärte, es sei „gut, dass der Innenminister jetzt so konsequent handelt“. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GDP) lobte die Aktion: „Das Verbot ist die richtige Entscheidung auch für die Menschen, die dort leben“, erklärte der GDP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff.

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Ermittlungen gegen Mitglieder der Hells Angels hat es bereits häufig gegeben. Doch die Vereine waren davon bislang unberührt. Am Freitagmorgen wurde zum ersten Mal ein Charter der Hells Angels in Göttingen verboten.

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