Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Hells Angels und Neonazis in Güntersen

Thema im Landtag Hells Angels und Neonazis in Güntersen

Der fortgesetzte Widerstand der Günterser gegen die Aktivitäten von Hells Angels und Neonazis im Ort zeigt erste Wirkungen. Nach vier bundesweiten Treffen des Rockerclubs im Ort und der Ankündigung eines Neonazi-Aufmarsches hatte der Ortsrat einen Brandbrief mit der Bitte um Hilfe an Landes- und Bundestagsabgeordnete aus der Region geschickt.

Voriger Artikel
Grabung und Funde auf dem Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg
Nächster Artikel
Empfang zu 125 Jahre Göttinger Tageblatt

Gaststätte als Tagungsort: Hells Angels beim bundesweiten Treffen in Güntersen im August.

Quelle: Pförtner

Güntersen. Als Antwort gab es nicht nur prominente Solidaritätsbekundgebungen – das Thema steht außerdem am Freitag, 26. September, auf der Tagesordnung des niedersächsischen Landtags.

Die beiden Grünen-Abgeordneten Meta Janssen-Kucz und Helge Limburg wollen dann – mit Blick auf Güntersen – von der Landesregierung eine Antwort auf die Frage: „Verfestigen sich die Strukturen der Hells Angels in Südniedersachsen? Was tut die Landesregierung, um die Bürgerinnen und Bürger zu schützen?“

Auf die Landtagssitzung verweisen auch die Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta (SPD) und Ronald Schminke (SPD). Innenminister Boris Pistorius (SPD) sei aus Polizeikreisen bestens informiert, so Schminke. Der Schutz der Bevölkerung habe natürlich oberste Priorität.

„Das Auftreten der Hells Angels und Neonazis ist ein direkter Angriff auf unsere demokratische Zivilgesellschaft, gegen den wir uns gemeinsam wehren müssen“, ergänzt Andretta. „Auf keinen Fall dürfen wir die Menschen in Güntersen mit ihren Sorgen allein lassen, der Kampf gegen kriminelle Rockerbanden und Neonazis geht uns alle an.“

Unhaltbare Zustände

In Adelebsen, wo die Göttinger Hells Angels ihr Hauptquartier haben, und Güntersen hätten sich unhaltbare Zustände entwickelt, sagt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD). Er kündigte an, eine der nächsten Sitzungen des SPD-Unterbezirksvorstandes in Güntersen abzuhalten und dabei auch mit den Bürgern zu sprechen: „Damit wollen wir zeigen, dass wir an ihrer Seite stehen.“

Wenn einzelne Ortschaften oder Personen sich bedroht fühlten, sei die Solidarität aller Bürger des demokratischen Rechtsstaats gefordert, sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Es könne nicht sein, dass ein Dorf schutzlos der organisierten Kriminalität und dem Rechtsradikalismus überlassen werde, mahnt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Tritten (Grüne): „Die Situation in Güntersen darf kein Mackenrode 2 werden.“

In dem ebenfalls bei Göttingen gelegenen Dorf hatte es vor 30 Jahren ein rechtsextremes Schulungszentrum gegeben. Die Landesvorsitzende Janssen-Kucz werde bei Pistorius auf eine konsequente Strafverfolgung dringen, so Trittin. Im Übrigen müsse alles dafür getan werden, dass der für Februar angemeldete Umzug zu Ehren des Nazis Horst Wessel verhindert werde.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) schrieb an die Einwohner von Güntersen zurück: „Ich kann Ihre Ängste und Befürchtungen nachvollziehen und bin von Ihrem mutigen Einschreiten gegen die Hells Angels beeindruckt.“ Die gemeinsame Strategie von Hells Angels und Neonazis, das Dorf als Plattform zu missbrauchen, dürfe nicht aufgehen. Güntzler sicherte seine Unterstützung zu und bot ein persönliches Gespräch an.

Mackenrode: Neonazis im Dorf

Ein Neonazi-Zentrum in einem Dorf in der Nähe von Göttingen gab es schon einmal. In den 1980er-Jahren scharte der Landesvorsitzende der rechtsextremen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), Karl Polacek, in seinem Haus in Mackenrode Getreue um sich, die bei Märschen durch den Ort die Anwohner in Angst versetzten.

In Göttingen und der Region gab es Übergriffe durch Neonazis, Antifaschisten hielten dagegen. 1992 wurde Polacek nach Österreich abgeschoben, 1995 die FAP verboten. Die Lage beruhigte sich wieder.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
"Clubabend"

Die Göttinger Polizei nimmt die Hells Angels in der Gemeinde Adelebsen nach eigenen Angaben weiter intensiv ins Visier. Nachdem ein Anrufer gegen 19 Uhr ein Treffen des Rockerclubs in einer Gaststätte gemeldet hatte, waren gestern Abend mehrere Streifenwagen in Güntersen im Einsatz.

  • Kommentare
mehr
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung