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Herzberg schult Esperanto-Lehrer

Internationale Verständigung fördern Herzberg schult Esperanto-Lehrer

Die Worte sind europäischen Sprachen entlehnt. Die einfache Grammatik kennt keine Ausnahmen. „Das von Ludwik Zamenhof 1887 entwickelte Esperanto ist schnell erlernt und ermöglicht den Austausch mit Menschen aus aller Welt“, sagt Zsófia Kóródy (59), Vorsitzende des Verbands deutscher Esperanto-Lehrer.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Herzberg. Ein Problem gibt es allerdings, räumt die aus Ungarn gebürtige Herzbergerin ein. Weltweit beherrschen nur einige Hunderttausend, eventuell einige Millionen Menschen Esperanto. Dem deutschen Lehrerverein gehören 80 Personen an. 300 Kursleitern schickt Kóródy regelmäßig Informationen zu. Nur in China gibt es einen größeren Lehrerverein. 90 Personen zählt er. Dem internationalen Verband gehören 700 Lehrkräfte an.

„In meiner Heimat Ungarn können Gymnasiasten Esperanto als Abiturfach wählen“, berichtet Kóródy. An der Uni, wo jeder Studierende fundierte Kenntnisse in einer Sprache nachweisen müsse, entschieden sich viele das einfache Esperanto. Kóródy studierte der Sprache zusammen mit Ungarisch und Englisch während ihres Philologie-Studiums an der Universität in Budapest.

„Mir gefällt die Neutralität“, bekennt die Lehrerin. Während der Schulzeit habe sie Russisch lernen müssen. Heute würden alle Englisch lernen. Was sie daran ärgert: Alle haben sich die Sprache des stärksten Landes anzueignen. Dass bevorzuge Muttersprachler. Bei Esperanto begegneten sich dagegen alle auf Augenhöhe. Neben dem Gerechtigkeitsgefühl zeichne Esperanto-Sprecher meistens Weltoffenheit und der Wunsch nach internationalem Austausch aus.

„Für nicht wenige ist Esperanto ein Hilfsmittel, um sich mit anderen über Grenzen hinweg über das eigene Interessengebiet auszutauschen“, berichtet Kóródy. Zamenhofs Sprache verbinde Katzenfreunde, Briefmarkensammler und Vegetarier, aber auch Umweltschützer, Fahrradfahrer oder Schachspieler. In den 1940er- und 50er-Jahren habe es sogar Überlegungen gegeben, Esperanto bei den Vereinten Nationen zur Arbeitssprache zu machen.

In Herzberg war es ein Bahnhofsvorsteher, der sich für die Verbreitung des Esperanto einsetzte. Joachim Gießner wollte Eisenbahnern in aller Welt den Austausch ermöglichen. Er gehörte 1976 zu den treibenden Kräften bei der Gründung der Esperanto-Gesellschaft in Herzberg, die heute 100 Mitglieder zählt. Sie verfügt in der Grubenhagenstraße 6 über ein Zentrum, wo der Lehrerverein Aus- und Weiterbildungen anbietet. Die vielen Aktivitäten der Gesellschaft bewogen Herzberg 2006 dazu, sich offiziell „Esperanto-Stadt“ zu nennen.

Von Michael Caspar

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