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Hilfe für baltische Holocaust-Überlebende

In 20 Jahren eine Million Euro Hilfe für baltische Holocaust-Überlebende

Seit rund 20 Jahren sammelt das Göttinger Ehepaar Hanna und Wolf Middelmann Geld für Menschen im Baltikum, die den Holocaust überlebt haben. Die beiden schätzen, dass dabei rund eine Million Euro zusammengekommen ist.

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Fahren seit rund 20 Jahren regelmäßig ins Baltikum: Hanna und Wolf Middelmann mit ihrem Werk über Holocaust-Überlebende.

Quelle: Hinzmann

Elliehausen. Über ihr langjähriges Engagement berichten sie in einer knapp 200-seitigen Veröffentlichung mit dem Titel „Dem Judenmord entkommen“. Als Auslöser für ihre Hilfsaktion nennen die beiden eine Fernsehsendung aus dem Jahr 1993. Darin sei berichtet worden, dass die ehemaligen Mitglieder der lettischen Waffen-SS aus der Bundesrepublik eine Versehrten-Rente erhielten, wenn sie ein Kriegsverwundung nachweisen konnten, Überlebende der nationalsozialistischen Judenvernichtung dagegen ohne Entschädigung blieben. Aus der Empörung darüber erwuchs das ausdauernde Engagement.

Auf eine erste Reise nach Riga im Winter 1993/94 folgten nach Angaben des Ehepaares bislang 42 weitere, bei denen Überlebende besucht wurden. Anfangs war vor allem das lettische Riga das Ziel, doch später ging es auch nach Litauen und Estland.

Das Ehepaar hielt bundesweit Vorträge und baute mit Rundbriefen einen Spenderkreis mit bis zu 200 Förderern auf, um zu helfen. Jährlich seien so knapp 50 000 Euro an Spenden zusammengekommen, erklärt die 77-jährige Hanna Middelmann.  Sie wirkte früher als Lehrerin, ebenso wie auch ihr 82-jähriger Mann. Das Ehepaar organisierte auch den Transport von Medikamenten und medizinischen Geräten ins Baltikum.

Schließlich gab es doch noch Entschädigungsrenten. Diese seien aber nicht ausreichend, um alle Not zu lindern, meint das Ehepaar, das deshalb sein Engagement fortsetzte. In den vergangenen Jahren seien die Spenden in die medizinische Versorgung der Überlebenden geflossen, erklären die beiden. Heute gebe es noch knapp 140 Holocaust-Überlebende im Baltikum.

In der 190-seitigen Veröffentlichung schildert das Ehepaar den Beginn und Verlauf ihres Engagements, die Leiden der baltischen Juden unter deutscher Besatzung, die Debatte um Entschädigungszahlungen für die Überlebenden und die Begegnungen mit ihnen. Rund ein Viertel der Veröffentlichung machen Porträts von Überlebenden aus, die ihre Geschichte erzählen. Die meisten der Porträts waren 2004 in einer Ausstellung in der Göttinger Jacobikirche zu sehen. Danach wurde die Ausstellung unter anderem auch in den jüdischen Gemeindehäusern von Riga, Vilnius und Kaunas gezeigt.

Im Buch sind Schicksale wie das von Riva Schaefer zu lesen. Sie konnte 1941 mit Mutter und Tante auf dem Weg zur Erschießung aus einer Kolonne fliehen und lebte anschließend getrennt von den beiden bis 1944 in zehn unterschiedlichen Verstecken. Schaefer verlor unter der deutschen Besatzung fast ihre ganze Familie. Die 1933 geborene Fruma Kucinskiene verlor Eltern und Bruder. Das Kind entkam aus dem Ghetto Kaunas und überlebte danach in unterschiedlichen Verstecken und zum Schluss im Wald.

Hanna und Wolf Middelmann: Dem Judenmord entkommen, 190 Seiten, 15 Euro. Die Veröffentlichung ist über die Gedenkstätte Villa ten Hompel in Osnabrück zu beziehen, Telefon 02 51 / 4 92 71 01.

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