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Hilfesuche am Telefon: Jungenanteil steigt

Kinder- und Jugendtelefon Hilfesuche am Telefon: Jungenanteil steigt

Zwei große Trends beobachtet das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) Göttingen derzeit: Zum einen steige unter den Jugendlichen, die mit Anrufen Rat und Hilfe suchen, der Anteil an Jungen.

Er habe noch vor einigen Jahren etwa bei 30 Prozent gelegen und gehe nun auf die 40 Prozent zu, so die KJT-Vorsitzende Gisela Wetzel-Willert. Dies zeige, dass auch die Jungen sich mittlerweile trauten, sich Hilfe zu holen.

Zum anderen werde die Internet-Beratung immer wichtiger, so Wetzel-Willert. Diese sei über einen geschützten E-Mail-Verkehr 24 Stunden am Tag möglich. Die Jugendlichen müssten sich nicht an Beratungszeiten halten oder darauf warten, dass Leitungen frei werden. Bei der Internet-Beratung nähmen sich die Jugendlichen Zeit, ihre Situation ausführlich zu schildern, so Wetzel-Willert. Dabei entstünden tiefe Einblicke in problematische Lebenssituationen von Kindern, in denen es etwa um Gewalt, Missbrauch oder Mobbing gehe. Allein schon das Herunterschreiben der Probleme sei ein therapeutischer Akt, so die KJT-Geschäftsführerin Andrea Hofmeister.
Bei der Internet-Beratung wird die Anonymität der Jugendlichen ebenso gewährleistet wie bei den Telefonanrufen. Über die Zahl der Anrufe und die Themen der Gespräche wird jedoch Statistik geführt. Im vergangenen Jahr wurden demnach vom Beraterteam des KJT rund 16 000 Anrufe entgegengenommen, aus denen sich rund 3100 ernsthafte Beratungen entwickelten.

63,1 Prozent der Anrufenden waren weiblich, 36,2 Prozent männlich, bei den übrigen ist das Geschlecht unbekannt. 60 Prozent der Anrufer waren zwischen zwölf und 16 Jahren alt. Danach nimmt bis zum Erwachsenenalter der Anteil der Anrufer beständig ab. Immerhin zehn Prozent der Anrufer waren zehn oder elf Jahre alt.

Ein Drittel der Beratungsgespräche bezieht sich auf das Thema Partnerschaft und Liebe, ein weiteres Viertel dreht sich um das Thema Sexualität. Weitere Themen – Mehrfachnennungen sind möglich – waren psychosoziale Probleme und Gesundheit (20,1 Prozent), Probleme in der Familie (18,2 Prozent), Freundeskreis und Gruppe Gleichaltriger (17,3 Prozent), Schule, Ausbildung, Beruf (11,2 Prozent), Gewalt und Missbrauch (8,3 Prozent). In 4,8 Prozent der Gespräche geht es um Sucht oder selbstgefährdendes Verhalten.

Das KJT Göttingen will auch künftig zum Thema Teenagerschwangerschaften mit dem bereits seit einigen Jahren laufenden Stück „Ein Schnitt in den Bauch“ in die Klassenzimmer gehen. Wetzel-Willert ist künftig auch auf Bundesebene aktiv: Sie wurde als stellvertretende Vorsitzende in den Bundesvorstand gewählt.

Ehrenamtliche Berater gesucht

Das Göttinger Kinder- und Jugendtelefon (KJT) sucht dringend Jugendliche und Erwachsene für die Telefonberatung. Die ehrenamtlichen Berater werden in einem 80-stündigen Ausbildungskurs auf ihre Aufgabe vorbereitet. Der neue Kurs für Erwachsene beginnt am Freitag, 19. August, und findet wöchentlich am Donnerstagabend statt. Der Kurs für das Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“ beginnt am Sonnabend, 27. August, und findet alle 14 Tage sonnabends statt. Das Beratungsteam des KJT besteht derzeit aus 60 jugendlichen und erwachsenen Mitarbeitern, die mindestens vier Stunden monatlich für das Hilfstelefon aktiv sind. Informationen gibt es unter Telefon 05 51 / 37 98 77.

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