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Historische Krypta in Nörten-Hardenberg bleibt vorerst geöffnet

Herausragender Fund Historische Krypta in Nörten-Hardenberg bleibt vorerst geöffnet

Rund 650 Menschen haben einen Blick auf die bislang verborgene Geschichte Nörten-Hardenbergs werfen können. So viele Interessierte sind bei zwei Führungsterminen über die Grabung am Stiftsplatz gekommen. Sensationell ist das Ergebnis. Unter der Erde war eine Krypta versteckt, nur wenige Fußbreit unter dem Rasen, nun ist sie freigelegt – viel größer als erwartet.

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Attraktion am Stiftsplatz: Viele Menschen haben die Grabungsstelle schon besichtigt.

Quelle: EF

Nörten-Hardenberg. Auch Experten wie die Professoren Uwe Lobbedey, pensionierter Hauptkonservator des Westfälischen Museums für Archäologie, und Cord Meckseper, Bauforscher und Architekturhistoriker, stuften den Fund als herausragend ein, berichtete Stefan Amt, Baudenkmalpfleger vom Bistum Hildesheim.

Bei einer Baubesprechung am Dienstag wurde erörtert, wie es weitergehen solle. Noch am Abend stand fest: Die Krypta wird nicht gleich wieder zugeschüttet.  

„Die Kirchengemeinde stört das nicht“, meinte Pastor Andreas Körner schon bei der Besprechung mit Blick auf die Krypta.  Auch die Gottesdienstbesucher sähen sich die Funde mit Interesse an. Körner sagte, er wäre froh, wenn die Grabung noch weitergeführt würde.

Umgestaltung des Stiftsplatzes

Als „enormen Fund“ sieht Frank Liebert, Bauleiter des Unternehmens für die Umgestaltung des Stiftsplatzes im Rahmen der Altstadtsanierung, die Entdeckung an. Schon häufig seien bei Bauarbeiten Zeugnisse aus alten Zeiten zu Tage getreten. Die Ausgrabung in Nörten schlüge alles, was er bisher erlebt habe, „um Welten“.

Um Stillstandszeiten zu vermeiden, war die Baufirma „R&R Team“ nach der Verlängerung der Grabung bei der Freilegung der Krypta mit im Einsatz. „Eigentlich wäre es ja eine Schande“, wenn alles wieder zugeschüttet würde“, sagte Liebert noch vor dem Votum der Gemeinde. Drei Wochen haben Bistum und Gemeinde nun Zeit für eine endgültige Entscheidung – durch eine Verlagerung der Bauarbeiten.

Ein komplettes Gefäß in Scherben, Münzen und eine Türangel sind nur einige der Funde, die Frank Wedekind bei der Baubesprechung beschreibt. Ein Rasierschälchen kann der Keramikfachmann schon jetzt genau datieren. Hergestellt Anfang des 17. Jahrhunderts komme es aus dem Bauschutt von Nörtens Großbrand 1626. Wedekind ordnet das Mauerwerk am Stiftsplatz schon jetzt als sogenannten Leitfundplatz ein.

Entstehungszeit bestimmen

Anhand der Erkenntnisse dort könne man andere Fundorte besser datieren. Auch die Entstehungszeit der Krypta lasse sich nun genauer bestimmen. Die Basen der Säulen seien so behauen, dass man sie im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts einordnen müsse. Etwa 75 Jahre später als bisher vermutet und erst nach der Gründung des Stifts  im Jahre 1055 sei die Kirche demnach entstanden.

Für die Göttinger Grabungsfirma Streichardt und Wedekind beginnt nun die Arbeit, alles genau zu dokumentieren. Erstellt wird auch eine 3-D-Visualisierung. Wichtig sind laut Amt Sicherungsmaßnahmen. Einmal freigelegt trockne der Sandstein schnell aus. Auch die Martinskirche dürfe durch die Grabung auf keinen Fall Schaden nehmen.

Ein Gespräch zwischen Vertretern des Bistums und der Gemeinde über den Fortgang ist am Dienstag, 14. Oktober, angesetzt.

Von Ute Lawrenz

Grabung und Funde auf dem Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg. ©Hinzmann

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Nur 35 Zentimeter unter der Asphaltdecke liegen Fundamentteile der fast 1000 Jahre alten Vorgängerkirche. © Hinzmann

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„Erinnerungen aus dem Boden holen“
Führung über das Grabungsgelände: Stefan Amt erklärt den Teilnehmern die Aushebungen.

Zugeschüttet worden ist das Grabungsfeld noch nicht. Die politische Gemeinde Nörten und das Bistum Hildesheim haben am Dienstag, 23. September, eine Verlängerung der Grabung an der Martinskirche auf dem Stiftsplatz in Nörten in Aussicht gestellt. Diese Neuigkeit erfuhren die Besucher bei der Führung über das Grabungsgelände.

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