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Historische Walkemühle wird moderne Massagepraxis

GöSF investiert Historische Walkemühle wird moderne Massagepraxis

Pläne, die Walkemühle im Brauweg umzubauen und umzunutzen, gibt es schon seit Jahren. Jetzt kommt in dem denkmalgeschützten Haus am Leinekanal zwischen Freibad und Badeparadies Eiswiese schweres Gerät zum Einsatz. Das Gebäude wird von Grund saniert.

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Die drei Männer von der Mühle: Pächter Michael Lange, GöSF-Chef Alexander Frey und Projektleiter Alexander Hirt.

Quelle: Hinzmann

So ist etwa das lange durch Holzlatten verborgene Fachwerk inzwischen wieder frei gelegt. Im Inneren sind die im Laufe der Zeit zusätzlich eingezogenen Wände und Zwischendecken beseitigt und Böden entfernt worden. Der ursprüngliche Grundriss des Mühlengebäudes aus dem späten 18. Jahrhundert ist wieder hergestellt. Dabei haben die Arbeiter seit Ende Dezember historische Mühlenanlagen freigelegt, etwa das gewaltige Mühlengetriebe, das jahrzehntelang hinter einer zusätzlichen Kalksteinmauer verborgen war. In der südöstlichen Ecke ist nun ein gut erhaltener etwa vier Meter tiefer Brunnen wieder frei zugänglich. Demnächst steht die Sanierung des Krüppelwalmdaches an.

„Emotionaler Wert“

Trotz aller Freude über die Funde: „Die Schäden an dem Haus sind größer als bisher angenommen“, sagt Hausherr Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport- & Freizeit GmbH (GöSF). Schäden, die auch bei einer Voruntersuchung verborgen geblieben sind. Dazu gehören etwa faulende Holzschwellen im Außenbereich, abgesenkte Fundamente oder morsche Trägerbalken im Inneren, die „kaum noch statischen Wert haben“, so Frey. Dennoch: Die GöSF hält an ihren Sanierungsplänen fest. „Wir sehen den emotionalen und historischen Wert der Mühle“, sagt Frey.

Sie sei eine der wenigen noch erhaltenen Göttinger Mühlen. Die Sanierung erfolge in enger Absprache mit dem Denkmalschutz und der Naturschutzbehörde, versichert Frey. 400 000 Euro will die GöSF investieren. „Das ist unsere Obergrenze. Die einzuhalten, wird ein harter Ritt“, sagt Frey. Nach Auskunft von Projektleiter Alexander Hirt soll die Sanierung im September abgeschlossen sein. Dann soll auch der geplante Saunagarten am Badeparadies Eiswiese inklusive Badeteich fertig sein. Ein Zugang zur frisch sanierten Mühle wird es dann über das Wehr geben. Dort wird Michael Lange neuer Pächter sein. Der Physiotherapeut will in dem sanierten Gebäude Krankengymnastik, Massagen, Fußpflege, Naturkosmetik und Wellness anbieten. Zusätzliche 100 000 Euro investiert Lange in die neue Praxis. Schon seit 1998 bietet er Massagen im Saunabereich des Badeparadieses Eiswiese an.

Von Michael Brakemeier

Erste Walkemühle der Stadt

Das Fachwerkgebäude der Walkemühle mit seinem Krüppelwalmdach am Westufer des Leinekanals wurde in seiner heutigen Form um 1770 errichtet. Pläne davon lagern heute im Stadtarchiv. Erst später kam die Holzverschalung des Hauses hinzu. Der Mühlenbetrieb lief bis in die 30er Jahre. Danach würde die Walkemühle als Wohnhaus genutzt. Seit etwa vier Jahren ist sie ungenutzt. Seit 2004 ist die Mühle von der Stadt Göttingen in den Besitz der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH übergangen. Bereits 1357 hatten die Göttinger Wollweber die Mühle vom Kloster Bursfelde gekauft und eine so genannte Walkemühle eingerichtet. Ein Mühlentyp der seit dem Hochmittelalter das Walken von Stoffen automatisierte. Dabei wird gewebter Wollstoff, der Loden, in Bottichen mit durch Wasserkraft betriebenen Holzhämmern gewalkt, also so verdichtet, dass ein verfilzter Stoff entsteht. Mit der Stegemühle kam Mitte des 15. Jahrhunderts eine weitere Walkemühle in Göttingen hinzu.

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