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Holzrücken mit Pferdekraft

Im Stadtwald Holzrücken mit Pferdekraft

Das Knacken brechender Äste im Wald, ein Schnauben, dumpfer Hufschlag auf dem noch gefrorenen Boden. Die Sonne ist gerade dabei, den Nebel zu vertreiben. Weiße Wölkchen entsteigen Lukas Nüstern. Hinter dem Rheinisch-deutschen Kaltblut schleift an einer Kette ein Baumstamm über den mit Laub bedeckten Boden.

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Eingespieltes Team: das Rheinisch-deutsche Kaltblut Lukas und Karsten Wüstefeld bei der Arbeit im Wald.

Quelle: Hinzmann

„Har, komm, komm“, dirigiert Karsten Wüstefeld das Arbeitspferd am langen Zügel nach links durch eine Lücke zwischen den Bäumen, bis der nächstgelegene größere Pfad erreicht ist.

Am Markhäuser Pfuhl bei Herberhausen holt Wüstefeld im Auftrag des Städtischen Fachdienstes Stadtwald Eschenholz aus dem Wald. Seine vierbeinigen Partner – Lukas hat zwei Kollegen, die abwechselnd im Wald mitarbeiten – übernehmen den Transport an die sogenannten Rückewege, die im 40-Meter-Abstand mit blauem Band markiert sind. Über diese Schneisen werden die später als Industrieholz vermarkteten Stämme mit Fahrzeugen und Maschinenkraft eingesammelt und abtransportiert.

Zum Einsatz kommt das Team Mensch-Pferd auf Flächen im Stadtwald, die wegen ihrer Bodenbeschaffenheit und Bewuchsdichte für den Maschineneinsatz nicht gut geeignet sind. 500 Festmeter Stammholz soll der aus Bruchhof bei Kreiensen stammende Wüstefeld an den Waldrand ziehen. „Pferderücker haben wir seit etwa zehn Jahren nicht mehr im Einsatz gehabt, dabei passt das gut in unser Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung“, sagt Dietmar Raab, Leiter der Revierförsterei Hainberg. Allerdings sei die Berufsgruppe in Südniedersachsen auch nicht mehr sehr häufig anzutreffen. Wüstefeld ist einer von nur neun Kollegen, die in ganz Niedersachsen auf einer Liste der Interessengemeinschaft Zugpferd verzeichnet sind. Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen sind es mehr als 20. Und außerdem, so Raab, sei der Einsatz der Zugpferde „auch ein wenig teurer“ als die maschinelle Waldbewirtschaftung.

„Da muss ich widersprechen“, sagt Wüstefeld und stoppt Lukas. Der zehnjährige Wallach nutzt die Arbeitspause, um gelangweilt an ein paar Zweigen zu knabbern. Sein Besitzer listet dem Förster derweil auf, welche Vorteile die mit Pferdestärken geleistete Waldarbeit auf längere Sicht mit sich bringt: „Wir richten keine Boden- und Wurzelschäden an. Und im Lauf seines Lebens spart ein Pferd rund 70 000 Liter Diesel“.

Raab widerspricht nicht, schließlich sind es unter anderem diese Gesichtspunkte, die die Göttinger Forstverwaltung bewogen, einen Pferderücker zu beauftragen. Das Göttinger Forstamt arbeitet mit Zertifikaten von Naturland und des Weltforstrates (Forest Stewardship Council, FSC), die für umwelt- und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung verliehen werden. Prinzipien, die der beauftragte Pferdeführer an der Beschaffenheit des Göttinger Waldes abzulesen glaubt: „Rückewege im 40-Meter-Abstand, das ist vorbildlich. Andere haben das Netz auf 20 Meter verdichtet und so den Wald maschinengerecht umgebaut.“

Das Land Niedersachsen, so der Pferderücker, sei ohnehin „ein sehr maschinengläubiger Standort“. Was Wüstefeld nicht nachvollziehen kann: „Einen Harvester möchte ich nicht geschenkt haben“. Dabei könnte der Kreienser von seiner Ausbildung her durchaus ein gewisses Interesse für die riesigen Holzernte-Maschinen aufbringen: Gelernt hat Wüstefeld früher einmal Kfz-Mechaniker. Als Pferderücker ist er „Quereinsteiger. Ich wollte unbedingt einen Beruf haben, der mit Pferden zu tun hat. Mit denen bin ich aufgewachsen.“

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