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Homo-Ehe in Irland: Positive Reaktionen von Politik und Kirche in Göttingen

„Liebe ist keine Frage des Geschlechts“ Homo-Ehe in Irland: Positive Reaktionen von Politik und Kirche in Göttingen

Irland hat sich im Volksentscheid für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen. Das klare Votum stärkt auch in Deutschland den Befürwortern den Rücken.

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Dürfen in Deutschland bald auch gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen?

Quelle: Crawley

Göttingen. „Die Union offenbart sich erneute als politischer Dinosaurier. Deren Schicksal ist bekannt. Sie landen als Gerippe im Museum“, sagt Jürgen Trittin (Grüne), Göttinger Bundestagsabgeordneter. „Nach der Abstimmung im katholischen Irland ist es endgültig absurd, wenn sich CDU und CSU weiter gegen gleiche Rechte für alle sperren. Liebe und gegenseitige Verantwortung sind keine Frage des Geschlechts. Ich plädiere für eine Abstimmung im Bundestag darüber – frei und ohne Fraktionszwang.“

„Ich habe die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen schon immer politisch unterstützt und war enttäuscht, dass die SPD im Rahmen der Koalitionsverhandlungen nicht mehr erreichen konnte“, sagt Wilhelm Priesmeier (SPD), Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Goslar-Northeim-Osterode. Er zweifelt, dass die Konservativen innerhalb der CDU hier „ein Mehr“ zulassen. Dennoch sei innerhalb der CDU Bewegung zu erkennen. Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) leisteten gute Arbeit.

„Ich persönlich bin für die gleichgeschlechtliche Ehe“, sagt der Northeimer Bundestagsabgeordnete Roy Kühne (CDU). Deutschland sollte mit der Zeit und Europa gehen. Er verweist jedoch auf den Koalitionsvertrag. „Hier haben wir mit der SPD Vereinheitlichungen vereinbart, uns jedoch nicht auf die volle Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe festgelegt.“ Der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler rät, die Homo-Ehe nun „vernünftig“ zu erörtern und „nichts übers Knie zu brechen“. „Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen der Homo-Ehe und einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?“, fragt er und liefert die Antwort gleich mit: „Die Diskussion zum Adoptionsrecht wird schwierig.“ Er nehme aber keine grundsätzliche Gegenhaltung ein. „Die Gesellschaft ist weiter als man glaubt.“

„Wenn ein Mensch einen Menschen gleichen Geschlechts liebt, dann wünsche ich ihm, dass er einen Partner findet“, sagt Friedrich Selter, Superintendent des Kirchenkreises Göttingen. Erst im Herbst hatte die Landeskirche Hannover  beschlossen, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Die dazu ausgegebene Agende (Verhaltens- bzw. Handlungsanweisung), so Selter, folge bei der Segnung für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften dem, was auch bei Trauungen geschieht. Bisher gab es in der Landeskirche nur Fürbittgottesdienste für eingetragene Partnerschaften.

Auch Manfred Hösl, Pfarrer an der Kirche St. Michael und Cityseelsorger, verfolgt den „großen gesellschaftlicher Trend“ hin zu einer „Liberalisierung“. Er sieht die Bemühungen der katholischen Kirche die traditionelle Ehe stark zu machen beziehungsweise stark zu halten. Es gebe derzeit „starke Familien, in deren Schatten andere Formen gut leben können“, sagt Hösl, „Wenn diese starken Familien ihre Priorität verlieren sollten, würde es Nachteile für alle bedeuten“. Hösl geht davon aus, „dass die gleichgeschlechtliche Ehe – mit allem was dazugehört – kommen wird“.

Thomas Oppermann (SPD), Vertreter für den Bundestagswahlkreis 53 Göttingen, war wegen einer Israelreise am Dienstag nicht zu erreichen.

Von Friedrich Schmidt und Michael Brakemeier

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