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„Ich ahnte nicht, wie schwer das wird“

Tageblatt-Aktion "Keiner soll einsam sein" „Ich ahnte nicht, wie schwer das wird“

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden Opfer von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Weihnachtshilfe des Göttinger Tageblatts. In loser Folge stellen wir einige Schicksale vor.

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„Jeder hat sein Päckchen zu tragen“: Bei Familie K. ist es ein stattliches Paket.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, besagt eine Redewendung. Das Päckchen, das Barbara und Peter K. (Namen von der Redaktion geändert) tragen, ist bildlich gesprochen ein stattliches Paket. Welche Belastung pflegende Angehörige auf sich nehmen, wissen die 67 Jahre alte Barbara, um deren Eltern es geht, und ihr zwei Jahre älterer Mann nur zu gut. Sie stellten ihr eigenes Leben hintenan und kümmerten sich um Barbaras Eltern, in deren Haus sie wohnen. Nah dran schon damals, als die Mutter zuhause noch das Regiment führte und sich um vieles kümmerte. „Sie war sehr dominant“, sagt Barbara rückblickend, „aber sie war immer für uns da“. Schon deshalb kam es für sie nicht in Frage, ihre Eltern in ein Pflegeheim zu geben. „Ich habe meiner Mutter versprochen, dass ich mich um sie kümmere“, so Barbara. „Ich ahnte nicht, wie schwer das wird.“

Irgendwann wurde die Mutter schwer nierenkrank und habe über starke Rückenschmerzen geklagt. Da war Barbaras Mutter 86 Jahre alt. Die Ärzte hätten Brustkrebs diagnostiziert, durch dessen Metastasen einige Wirbel gebrochen seien. Chemotherapie oder gar eine Operation sei nicht in Frage gekommen.

In jener Zeit wurde Barbara selbst krank. Brustkrebs. 2012 stand sie zwei Operationen, eine Chemotherapie und die folgenden Bestrahlungen durch. „Das war eine harte Zeit“, erinnert sich die heute 67-Jährige. Barbara konnte auf die Unterstützung ihres Mannes zählen. Der habe erst sie in der Klinik besucht und sich dann um die Schwiegereltern gekümmert. Während Barbaras Vater bis dahin noch einigermaßen selbst klar kam, konnte die Mutter da kaum noch laufen. „Das hat unheimlich Nerven gekostet“, sagen Barbara und Peter rückblickend. Dann sei es auch mit dem Vater nicht mehr so gut gegangen, erste Anzeichen von Demenz machten sich bemerkbar. Belastet mit der eigenen Krankheit sei sie „völlig am Ende gewesen“. Peter habe ihre Mutter versorgt, bekocht, gewaschen, nur sie auf die Toilette zu begleiten, „das konnte er nicht“.

Der Familienrat – Barbara und Peter haben zwei erwachsene Söhne und Enkelkinder – tagte nach Barbaras Zusammenbruch. Sie holten sich Hilfe und Unterstützung. Seit Sommer 2014 hat jeweils eine polnische Pflegerin ein Zimmer in der elterlichen Wohnung und kümmert sich. Barbaras Mutter starb im Mai. Inzwischen ist bei Barbaras Vater die Demenz weit fortgeschritten. Er könne nicht mehr laufen und werde nachts immer wieder wach und rufe um Hilfe. Über die Demenzhilfe Göttingen decken Barbara und Peter K. jene Zeiten ab, in denen die Pflegekraft frei hat – dreimal pro Woche jeweils vier Stunden.

Barbara hatte zwischenzeitlich weitere Operationen und auch Peter musste sich an der Wirbelsäule operieren lassen. Barbara sagt: „Ohne meinen Mann hätte ich das alles nicht durchgestanden.“ Wenn Peter einmal ins Grübeln gerät, tröste sie ihn mit den Worten: „Es gibt so viele Menschen, denen es viel schlechter geht als uns.“ Die schweren Zeiten habe sie viel enger zusammengebracht, sagt Peter und drückt fest Barbaras Hand. Obwohl es für sie selbstverständlich war, die Eltern daheim zu pflegen, sagt Barbara heute: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder uns ins Haus holen und ihr eigenes Leben aufgeben.“

 

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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