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Im Einsatz für Kornnattern und Bartagamen

Carsten Schneider Im Einsatz für Kornnattern und Bartagamen

Carsten Schneider hat einige besondere Mitbewohner: Fünf Kornnattern, drei Bartagamen, eine Dreiecksnatter und eine Vogelspinne schlängeln und räkeln sich in den Terrarien seiner Wohnung.

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Sie sonnte sich auf einem Pfosten in einer Kleingartenanlage in Grone: Dort sammelte Carsten Schneider diese Bartagame ein.

Quelle: Heller

Denn der 39-Jährige aus Ossenfeld geht in seiner Freizeit einer ungewöhnlichen Beschäftigung nach: Wenn in der Region solche ungewöhnlichen Tiere gefunden werden, ist er manchmal im Einsatz, um die Tiere einzufangen und ihnen erst einmal ein Obdach zu geben. Schneider steht auf einer Liste von Reptilien-Freunden, von denen die Berufsfeuerwehr im Bedarfsfall einen informiert.

Auf diese Weise hat Schneider seit 1996 verschiedene Bekanntschaften gemacht. Er sammelte einen Skorpion ein, der aus Italien in einem Auto eingereist war, eine giftige Aspisviper, eine Strumpfbandnatter und einen Scheltopusik. Eine harmlose Ringelnatter, die im Garten einer Familie in Geismar unterwegs war, was der Familie nicht behagte, siedelte er an die Weser um. Andere Tiere versuchte er zu vermitteln oder gab sie, wenn sich Besitzer meldeten, denen sie entkommen waren, zurück.

Erst vor kurzem war er in einigen Fällen unterwegs. In Weende fing er eine Albino-Kornnatter ein, die einem Mann beim Öffnen eines Garagentores entgegengefallen war. In Grone holte Schneider eine Bartagame ab, die sich in einer Kleingartenanlage auf einem Pfosten sonnte. In Rosdorf sammelte Schneider, der selbst in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, in der Nähe des Freibades eine Wasserschildkröte auf einem Acker ein. Die meisten Tiere seien wohl ihren Besitzern entkommen, meint Schneider. Manche Tiere seien womöglich aber auch ausgesetzt worden. Sein Wissen über Reptilien hat er sich selbst angelesen. Er sei fasziniert vom Verhalten der Tiere, so Schneider.

Bisher sei er nur einmal gebissen worden, sagt der 41-Jährige, nämlich von der Aspisviper. Die musste er aus einem Gurkenglas herausholen. Die Schlange war in dem engen, stark riechenden Gurkenglas schon aggressiv geworden, und Schneider konnte nur einen dünnen Handschuh anziehen, weil er sonst nicht in das Glas hätte greifen können. Nach dem Biss schwoll die Hand an, der gesamte Handrücken wurde später gelb und blau. Schneider spürte Schwellungen der Lymphknoten bis unter die Achseln.

Die Terrarien sind in der Wohnung, in der Schneider mit Frau und drei Kindern im Alter von 10 bis 15 Jahren lebt, unorthodox untergebracht. Das Terrarium mit der Vogelspinne, die Schneider sich selbst gekauft hat, steht zum Beispiel neben einem CD-Regal und einem Ventilator. Die Heimchen, Futter für die Bartagamen, sorgen für Grillenzirpen in der Wohnung.

Die Tiere werden normalerweise nur beim Saubermachen der Terrarien und bei der Untersuchung nach der Fütterung herausgenommen: „Es sind ja keine Streicheltiere“, so Schneider. Die Vogelspinne darf im Winter aber auch mal auf einer Wärmflasche im Wohnzimmer auf dem Tisch sitzen.
Die Schlangen, die Schneider derzeit hält, sind ausschließlich Würgeschlangen. Sie ernähren sich von Mäusen. Bei sechs Mäusefressern macht das einen Bedarf von sechs bis acht Mäusen pro Woche. Deshalb hatte die Familie bis vor kurzem auch eine Mäusezucht mit bis zu 200 lebenden Tieren. Diese Zucht haben Schneiders radikal reduziert. Jetzt lagern 250 Tiere tiefgefroren in einem Eisschrank im Keller. Sie seien durch das Einleiten von Kohlendioxid getötet worden, so Schneider. Lebendige Mäuse schnappen die Schlangen zunächst mit einem Fangbiss und umwickeln sie. Immer wenn das gefangene Tier ausatmet, drückt die Schlange weiter zu. Am Ende können dabei die Augen des Opfertiers heraustreten: „Nicht schön, aber muss sein“, meint Schneiders 39-jährige Frau Ulrike, „fressen und gefressen werden“.

Besitzer von Fundtieren können zu Schneider Kontakt per E-Mail unter ossi98@web.de oder über die Berufsfeuerwehr unter der Telefonnummer 0551/7 07 50 aufnehmen. Da Schneider allmählich die Behältnisse ausgehen, bittet er zudem um Spenden von gebrauchten Terrarien.

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