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Im Interview: Maj Kraus von der Göttinger „Reisegruppe 4“

„Unterstützer sind an ihren Grenzen“ Im Interview: Maj Kraus von der Göttinger „Reisegruppe 4“

Kurz vor Weihnachten ist die Göttinger „Reisegruppe 4“ aufgebrochen, um entlang der sogenannten Balkanroute Flüchtlingen zu helfen. Das Tageblatt hat mit der Göttingerin Maj Kraus, die gerade in Mazedonien ist, über ihre bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse gesprochen.

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4000 Flüchtlinge passieren täglich, meist nachts, den Grenzübergang Tabanovce von Mazedonien nach Serbien.

Quelle: EF

Göttingen. Tageblatt: Welche ihrer Vorhaben konnte die Reisegruppe bisher umsetzen?
Kraus: Im Norden Griechenlands werden legalisierte Menschen in relativ gut organisierten Strukturen nach und durch Mazedonien geleitet. Aber ganz viele Menschen fallen aus diesem Raster raus, weil sie nicht nicht aus Syrien, Irak oder Afghanistan stammen. Wir haben einfach versucht, diese Menschen zu unterstützen und zu versorgen. Wir haben direkte Hilfe, auch mit Spenden, geleistet und versucht, Strukturen zu schaffen.

Gab es Momente, wo die Gruppe an ihre Grenzen gekommen ist?
Ich habe jemanden, der noch keine 16 Jahre alt und krank war, an der nördlichen Grenze Mazedoniens getroffen. Auf die Frage, ob er nicht mal eine Pause machen möchte, um sich medizinische Hilfe zu suchen, hat er geantwortet: „Ich kann nicht, ich kann keine Pause machen. Ich traue mich nicht, zum Roten Kreuz zu gehen, vielleicht arbeiten die mit Offiziellen zusammen und dann werde ich abgeschoben“. Er wollte weitergehen nach Belgrad. Das hat mich wirklich ziemlich betroffen gemacht.

Was sind die größten Probleme der Flüchtenden?
Für die Legalisierten gibt es viel zu wenig Winterkleidung und Schuhe. Da sind auch die lokalen Unterstützer oft an ihren Grenzen. Sie merken, es regnet, es schneit, es friert - aber sie können den Leuten keine vernünftigen Schuhe geben, weil sie sie einfach nicht haben. Die Illegalisierten haben das Problem, dass sie, sobald sie die Grenze übertreten, nach mazedonischem Recht ein Verbrechen begehen. Dann haben sie keine Möglichkeit, sich Hilfe zu suchen, weil sie dann abgeschoben werden. Auch mazedonische Helfer, die sie mit dem Notwendigsten versorgen wollen, gehen das Risiko ein, als Unterstützer von Verbrechen verurteilt zu werden.

Und braucht die Reisegruppe noch Unterstützung?
Wir wünschen uns, dass Menschen unsere Arbeit als Supporter hier fortführen, einen Aufruf gibt es unter openborder.noblogs.org. Außerdem brauchen wir weiter Spenden. Aber eigentlich wünschen wir uns einen politischen Wandel. Diese Menschen brauchen Perspektiven und dafür müssten die Grenzen für alle offen sein.

 Interview: Christoph Höland

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