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Im zweiten Durchgang Freispruch

39-Jähriger unschuldig Im zweiten Durchgang Freispruch

Mit einem Freispruch endete im zweiten Durchgang der Prozess wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung gegen einen 39 Jahre alten Göttinger. Das Opfer, eine junge Frau mit Borderline-Störung, hatte sich nach Überzeugung der Strafkammer des Landgericht in zu vielen Punkten widersprochen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Das Verfahren hatte vor einer anderen Strafkammer bereits zu einem Schuldspruch geführt: drei Jahre Freiheitsentzug. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil aufgehoben, weil er bei Aussage-gegen-Aussage-Konstellation eine tiefere Auseinandersetzung mit den aufgetretenen Widersprüchen verlangte. Der Fall kam zur Neuverhandlung. Die nunmehr tätige Kammer beauftragte ein weiteres Glaubwürdigkeitsgutachten, das dem ersten widersprach. Vor der Urteilsverkündung waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und sogar die Nebenklagevertreterin einig, dass eine Schuld des Angeklagten nicht erwiesen ist.

So ging das Gericht zwar davon aus, das es zu sexuellen Handlungen in der Nacht zum 3. August 2013 gekommen sei. Es könne auch sein, dass die Frau den Sex mit dem Angeklagten hinterher bereut und sich gar selbst oder durch Dritte suggeriert habe, dass dieser nicht einverständlich gewesen sei. Um dieses Geschehen aber als Vergewaltigung zu verurteilen, habe es viel zu viele Widersprüche in den Aussagen der Frau gegeben. Richter Ralf Günther zählte sie auf: Schläge will sie mal links, mal rechts bekommen haben, geschubst will sie mal von vorn, mal von hinten worden sein. Mal habe der Angeklagte sie unters Kinn, mal ins Gesicht gefasst.

Mal will sie auf dem blanken Boden, mal "auf einem Berg leerer Flaschen" gelegen haben. Der Täter soll mal die Hose noch angehabt haben, mal sei er nackt gewesen. Gleiches gilt für sie selbst. Der Sachverständige aus erster Instanz war bei seiner Position, die Aussage sei erlebnisfundiert, geblieben. Die neue Gutachterin glaubt das Gegenteil. Auch habe es Motive gegeben, eine Vergewaltigung gegenüber Lebenspartner und Eltern zu behaupten, um sich zu schüzen. Letztlich, so der Richter, "mag sie selbst glauben, dass es gegen ihren Willen geschah", bewiesen sei das aber nicht. Es bleibe damit straffreier, als einvernehmlich nicht zu widerlegender Sex.

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