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Immer mehr grüne Wiese wird bebaut

Flächenverbrauch in Göttingen Immer mehr grüne Wiese wird bebaut

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Moderne Häuser entstehen auf der Göttinger Eiswiese: Auch das Gelände der ehemaligen Rechtsmedizin wird neu genutzt.

Quelle: CH

Die Göttinger Einwohnerzahl ist in den vergangenen 25 Jahren von rund 136 00 auf gut 129 000 gesunken. Im gleichen Zeitraum ist der Verbrauch freier Flächen um 20 Prozent gestiegen. Das hat der Fachdienst Statistik und Wahlen der Stadt herausgefunden.

Kaufpark, Kiesseecarree, Gesundbrunnen, Autobahnausbau: Dort, wo in den 1980er Jahren noch Wiesen- oder Ackerflächen zu finden waren, stehen heute Häuser, führen Straßen entlang oder sind Gewerbegebiete entstanden. 1985 waren es noch 38,5 Prozent des Göttinger Stadtgebietes, die landwirtschaftlich genutzt wurden. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 34,7 Prozent. Zeitgleich stieg der Anteil der Verkehrsflächen von 9,1 auf 9,4 Prozent.

Sämtliche bebauten Flächen zusammen, so genannte Siedlung- und Verkehrsflächen (SuV), nahmen im Jahr 2009 rund ein Drittel des Göttinger Stadtgebietes in Anspruch. Der Flächenverbrauch ist kontinuierlich gestiegen. „Ein Trend, der sich auch heute noch fortsetzt“, sagt Detlef Hatje vom Göttinger Fachdienst Statistik und Wahlen. Und weiter: „Bodenflächen sind ein knappes Gut und nur begrenzt verfügbar.“

Die Göttinger Statistiker unterscheiden acht Kategorien von Flächen: Gebäude- und Freiflächen, Betriebsflächen, Erholungsflächen, Verkehrsflächen, Landwirtschaftsflächen, Waldflächen, Wasserflächen und übrige Flächen (Beispiel: Friedhöfe). Vor knapp 100 Jahren, im Jahr 1905, waren noch knapp 47 Prozent des Stadtgebietes landwirtschaftlich genutzt, 1979 waren es noch 41 Prozent, 1999 dann 36 Prozent und 2009 knapp 35. Der Anteil der Waldflächen lag bis in die später 1960er Jahre bei knapp 40 Prozent, von 1963 an sank der Anteil auf knapp 28 Prozent in den 1970er Jahren. Heute liegt er bei gut 30 Prozent. Die Größe des Stadtgebietes hat sich im 20. Jahrhundert allerdings mehrfach geändert, durch Eingemeindungen kamen Flächen hinzu.

Der Trend, den Hatje für Göttingen beschreibt, ist niedersachenweit zu beobachten. Landesweit waren 2009 knapp 6500 Quadratkilometer auf diese Weise genutzt. Dies sind nach einer vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Erhebung etwa 16 Prozent mehr Fläche als zu Beginn der 1990er Jahre.

bib

Konzepte

Immer mehr Neubaugebiete, immer mehr Gewerbegebiete? Wer als Kommune erfolgreich sein möchte, braucht neue Flächen. Für Gewerbe, für Familien, für Straßen. So funktionierte das jahrelang. So kann es aber nicht ewig funktionieren, irgendwann gibt es kein Grünland mehr, das man bebauen kann.

Wie absurd Flächenpolitik sein kann, sieht man in Ostdeutschland: Dort stehen rund eine Million Wohnungen leer. Etwa genau so viele wurden in den vergangenen 20 Jahren neu gebaut.

In der Region sieht das manchmal ähnlich aus. Wozu muss im Landkreis eigentlich jede Gemeinde ihr eigenes Gewerbegebiet erschließen, zubetonieren und – oft vergeblich – jahrelang auf Investoren warten? Man will ja vorbereitet sein auf die Zukunft. Jedes Dorf möchte ein Neubaugebiet haben, auch wenn im Ort bereits etliche Häuser leer stehen. Was für ein Irrsinn.

Für die Zukunft braucht man andere Konzepte. Das gibt es in Göttingen bereits. Beispiel: die alte Physik oder das ehemalige Steritex-Gelände. Dort werden gebrauchte Flächen neu genutzt oder alte Häuser und Wohnungen so umgebaut, dass sie heutigen Ansprüchen gerecht werden. Immer mehr grüne Wiese in graue Asphaltfläche umzuwandeln, das ist eine Sackgasse. Von Britta Bielefeld

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