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Impfbereitschaft in Göttingen ausbaufähig

Pläne zu Impfberatungspflicht Impfbereitschaft in Göttingen ausbaufähig

Eltern, die ihr Kind in eine Kita schicken wollen, sollen zuvor künftig eine Impfberatung absolvieren müssen. Damit will die Bundesregierung die Impfbereitschaft erhöhen.

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„In akademisch geprägten Familien ist die Impfbereitschaft nicht so groß“: Diese Entwicklung beobachtet das Göttinger Gesundheitsamt.

Quelle: dpa

Göttingen. Das sei ein richtiger Ansatz, sagt Tanja Brunnert, Pressesprecherin des niedersächsischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, niedergelassen in Göttingen. Denn, so Brunnert: „Die Impfbereitschaft in der Stadt Göttingen ist deutlich schlechter als in vielen anderen Teilen Niedersachsens.“

Das schlägt sich teilweise auch im jüngsten Impfreport des Landesgesundheitsamtes aus dem Jahr 2012 nieder. Die Angaben basierten auf den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen und würden auch in etwa für die Jahre 2013 und 2014 gelten, sagt Stadtverwaltungssprecher Detlef Johannson. Demnach landen Stadt und Landkreis Göttingen bei den Durchimpfungsraten zwar im Mittelfeld.

Vor allem bei Impfungen gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten besteht aber Nachholbedarf. Hier liegt die Durchimpfungsrate gerade einmal bei etwa 90 Prozent – und ist damit jeweils die geringste in ganz Niedersachsen. Als Faustregel gelte, so Johannson: „Alles, was über 95 Prozent liegt, ist in Ordnung.“ In Ordnung sind demnach in Stadt und Landkreis die Durchimpfungsraten bei Masern (96,2 Prozent), Mumps (95,9 Prozent) und Röteln (95,9 Prozent).

In Göttingen gebe es ein „heterogenes Bild von Nichtimpfern“, sagt Kinderärztin Brunnert. Da seien zum einen Eltern, die vor einer Impfentscheidung zwiegespalten seien. Diese ließen sich aber „sehr gern in unseren Praxen beraten und kommen dann auch in der Regel zu einer Impfentscheidung, die von allen Seiten gut zu tragen ist“. Dazu kämen in Göttingen dann „die echten Impfverweigerer“. Trotz Beratung ließen diese Eltern ihre Kinder eher selten impfen. Das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen beobachte zum Beispiel, dass „in akademisch geprägten Familien die Impfbereitschaft nicht so groß ist wie in Familien ohne akademischen Hintergrund“, sagt Johannson.

In diesem Zusammenhang sei auch die frühe Betreuung von Kleinstkindern in Kitas „ein echtes Problem“, sagt Brunnert. Die Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-Impfung sei zugelassen ab einem Alter von elf Monaten, in Einzelfällen könne auch schon mit neun Monaten geimpft werden. „Gerade die kleinen, nicht geimpften Säuglinge sind aber durch diese Erkrankungen und ihre potenziellen Komplikationen besonders bedroht. Wir können sie nur schützen, in dem die Kontaktpersonen geimpft sind.“

Jeder einzelne Kita-Träger sei gefragt. „Es besteht grundsätzlich ja die Möglichkeit, die Pflicht zur Durchimpfung zur Voraussetzung für die Aufnahme in diese Einrichtung zu machen“, sagt Brunnert. Michael Höfer, Geschäftsführer des Trägers Kinderhaus, sagt, dass Eltern mit einem ärztlichen Attest belegen müssten, dass ihr Kind gesund sei. „Und Kinderärzte beraten Eltern doch auch jetzt schon.“ Daher stelle sich die Frage, ob eine zusätzliche Impfberatung überhaupt etwas bringe.

Impfaktion

Stadt und Landkreis setzten unter anderem auf eine jährlich groß angelegte Impfaktion in sechsten Klassen.

„Da sind unsere Impfteams unterwegs, um den aktuellen Impfstatus festzustellen und gegebenenfalls fehlende  Impfungen zu veranlassen, wenn die Eltern zustimmen“, sagt Göttingens Verwaltungssprecher Detlef Johannson.

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