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Im Einsatz für bewegtes Sitzen

Göttinger Profile Im Einsatz für bewegtes Sitzen

In Dörte Gerickes Leben spielt vor allem Bewegung eine große Rolle. Auch wenn sie gerade ihr Geschäft für ergonomische Sitzmöbel abgegeben hat, um in den Ruhestand zu gehen - die Göttingerin bewegte vor allem auch unterschiedliche Projekte. Doch eine Sache hat sie vor allem angetrieben: „Ich war immer auf der Suche nach beweglichem, schmerzfreien Sitzen.“

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Dörte Gericke

Göttingen. Und auf diesem Weg hat sie Vieles entdeckt. Gericke weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst zu 50 Prozent schwerbehindert und leidet seit ihrer Schulzeit an Rückenschmerzen. „Fürs Abitur habe ich in der Gartenliege gelernt“, erzählt die heute 72-jährige Göttingerin aus Oldenburg. Durch das eigene Schmerzverhalten habe sie frühzeitig gemerkt, was entlastet. Und das ist laut Gericke „lebendiges, bewegliches Sitzen“.

1986 machte sie sich mit diesem Konzept selbstständig und vertrieb zuerst nur einen beweglichen Schaukelhocker. Den bot sie zuerst nur Psychotherapeuten und Hebammen an. Doch daraus wurde schnell mehr, und Gericke hatte bereits nach kurzer Zeit zahlreiche Produkte rund ums Sitzen, Liegen und Stehen im Sortiment und beriet bei ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung. Dazu hat sich Gericke, die eigentlich Grundschullehrerin ist und eine Ausbildung zur Psychodrama-Assistentin gemacht hat, viel Wissen angeeignet.

Auf der Suche nach Inhalten zur Selbstständigkeit gekommen

Doch Gericke kam nicht nur über die eigenen Beschwerden zu ihrem kleinen Geschäft, die eigentliche Geschichte ist eine sehr traurige. Drei Jahre hat sie ihren Sohn gepflegt, der im Alter von 14 Jahren an einem Gehirntumor gestorben ist. Das war 1984. Auf der Suche nach Inhalten kam sie zur Selbstständigkeit und aus dem Krankenzimmer des Sohnes wurde ihr Büro.

Gericke ist auch Mutter zweier Töchter und hatte auch auf anderen Gebieten das Bedürfnis, Menschen zu helfen. Sie arbeitete als Telefonseelsorgerin und war zusammen mit ihrem Mann Gründungsmitglied des Göttinger Elternhauses für das krebskranke Kind. Sie engagierte sich im Bauausschuss des Elternhauses und unterstützte später ihren Mann, der jahrzehntelang Vorsitzender des Elternhauses war. Als er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, teilte er es mit seiner Frau. Doch damit nicht genug: 1986 war Dörte Gericke Mitgründerin von Göttingens erster Tagespflege „Herbstzeitlose“. Dort wirkte sie bis 1995 als Vorsitzende.

Gerade hat sie alle Hände voll zu tun, ihr „Studio Neues Sitzen“ aufzulösen und alles ihrem Nachfolger zu übertragen. Lange habe sie jemand passendes gesucht. „Es hat sich gelohnt, zu warten“, sagt Gericke. Tilman Shastri habe das Konzept übernommen, erklärt die frisch gebackene Ruheständlerin. Sie will jetzt erstmal durchatmen. Malen, Musik hören, mit den Enkeln Zeit verbringen - langweilig wird es Dörte Gericke nicht werden. Sie freut sich auf viel freie Zeit, die bestimmt auch zukünftig weiterhin bewegt sein wird.

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