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In Göttingen umstritten: Kirchen läuten Glocken am Einheitstag

Volles Geläut zur Mittagszeit / Kritische Anmerkungen im Kirchenkreistag In Göttingen umstritten: Kirchen läuten Glocken am Einheitstag

Der Vorstand des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen hat die Gemeinden gebeten, am Tag der Deutschen Einheit mittags fünf Minuten lang die Glocken läuten zu lassen. Das sogenannte volle Geläut zu einem staatlichen Feiertag stieß im Kirchenkreistag aber auch auf Kritik.

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(Symbolbild)

Quelle: EL

Göttingen. Mit der Bitte um das Geläut folge man dem Aufruf einer christlichen Initiative, die für den 3. Oktober um 12 Uhr bundesweit zu Geläut und Friedensgebet aufrufe, erklärte Superintendent Friedrich Selter. In der Göttinger Innenstadtkirche St. Johannis werde es eine Andacht geben. Die christliche Initiative hat die Aktion zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit ausgerufen.

Hendrik Munsonius, Mitarbeiter am Kirchenrechtlichen Institut der EKD, äußerte Bedenken. Er wies darauf hin, das Geläut zu einem staatlichen Feiertag könne einen problematischen Eindruck erwecken und die Kirche zu sehr in die Nähe des Staates rücken. Fraglich sei auch, wie das im interreligiösen Dialog aufgenommen werde.

Gerd Mahnke aus der Kirchengemeinde Klein Schneen widersprach. Es gehe nicht um den politischen Feiertag, sondern um das Ereignis der Wiedervereinigung. Es werde an die friedliche Revolution erinnert, meinte auch Johannis-Kantor Bernd Eberhardt, der für diese „kleine Geste“ plädierte: „Wir sind Volkskirche.“Auch Ellen Ronshausen aus Lichtenhagen, wo in der Nähe einst die innerdeutsche Grenze verlief, sprach sich für das Geläut aus.

Jacobi-Pastor Harald Storz entgegnete, bei der Zielsetzung hätte man lieber am 9. November des vergangenen Jahres läuten sollen, 25 Jahre nach der Grenzöffnung. Er mahnte an, mit demonstrativem Glockengeläut vorsichtig umzugehen.

Ulrich Hundertmark aus der Kirchengemeinde Nikolausberg erinnerte daran, dass es auch die Christen in der DDR gewesen seien, die die friedliche Revolution mit auf den Weg gebracht hätten. Dass sie friedlich geblieben sei, müsse im Hinblick auf die vielen Konflikte heute erst recht verwundern.

Selter betonte, bei der Aktion gehe es darum, Dank zu sagen für die friedliche Vereinigung Deutschlands sowie für das Leben in Freiheit, und zugleich um Frieden zu beten. Die Äußerungen seien richtig, es sei nur die Frage, ob die Intention auch so ankomme, sagte Munsonius. Den Gemeinden sei es freigestellt, ob sie läuten oder nicht, meinte Selter abschließend.

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