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Gallopp durch die Geschichte

Weender Ortschronik Gallopp durch die Geschichte

Klostergründung, Industrialisierung und Nachkriegszeit: Anhand der mehrbändigen Ortschronik hat der Heimatkundliche Förderverein Weende am Donnerstag einen Einblick in die Geschichte des heutigen Ortsteils geboten - die nun 1050 Jahre zurückreicht.

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Quelle: Hinzmann

Weende. Ein Bißchen stolz schwang in den Worten von Hans Otto Arnold schon mit:

"Kein Ortsteil Göttingens hat so viel in die Dokumentation der eigenen Geschichte investiert" erklärte der Vorsitzende des Heimatkundlichen Fördervereins den rund 40 Besuchern der Veranstaltung gleich zu beginn.

Insgesamt seien rund 50000 Euro an Mitteln des Ortsrates und der Stadt geflossen. Als Ergebnis hat Weende immerhin 1500 Seiten Ortschronik, verteilt auf drei Bände.

Vom Mittelalter bis zu den Anfängen

Diese dokumentieren alles seit der ersten urkundlichen Nennung Weendes

966 nach Christus - auch wenn es noch bis 1180 dauern sollte, bis Weende häufiger erwähnt wurde. Damals zog das Augustinerinnen-Kloster ans Ufer der Weende. Vorher lag dieses im heutigen Nikolausberg, doch die Nonnen hätten es vorgezogen, im windgeschützten, gut mit Wasser versorgten Tal zu leben, zitierte Arnold die Ortschronik.

Im Mittelalter bis zu den Anfängen der Industrialisierung prägten vor allem das Kloster und die sechs Mühlen entlang der Weende die Ortschaft, die ab 1811 von 1100 auf 3500 Einwohner Anfang des 20. Jahrhunderts anwuchs.

Die Weender Ortschronik

Die einzelnen Bände der Ortschronik sind in der Weender Verwaltungsstelle und im Buchhandel erhältlich, erschienen sind sie im

Wallstein-Verlag:

1) Walter Nissen: Das tausendjährige Weende; Göttingen, 1966

2) Ernst Böhme u.A.: Dorf und Kloster Weende von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert; Göttingen, 1998

3) Sylvia Möhle: Von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil: Weende im 20. Jahrhundert; Göttingen, 2009

Damals war Weende keine heile Welt: "Ich kenne keinen Ort in dieser Gegend, in dem so oft von Feld- und Holzdiebstahl hört", schrieb ein Kaufmann angesichts der in Weende grassierenden Armut. Arbeitsplätze sollte damals vor allem eine Textilfabrik schaffen, doch die sorgte Arnold zufolge auch für "eine richtige Umweltproblematik": Kaum war sie in Betrieb, habe die Weende "eine trübe Farbe und einen ekligen Geschmack" angenommen, zitiert die Ortschronik einen Zeitzeugen. Erst der Bau von Wasserleitungen Anfang des 20. Jahrhunderts beendete die Welle an Typhus-Erkrankungen, die die Weender seinerzeit plagte.

Hoffnungsloser Bürgermeister

Zum Ende seines "Galopp durch die Geschichte" kam Arnold auf die Nachkriegszeit zu sprechen: Nach der Einnahme durch die Amerikaner am 8. April 1945 wurde Weende wie ganz Niedersachsen mit zahllosen  Flüchtlingen konfrontiert, was den Bürgermeister hoffnungslos werden ließ: "Weender und Flüchtlinge werden nie zusammenkommen", hatte dieser laut Ortschronik gesagt - was den rund 40 Besuchern der  Veranstaltung heiteres Gelächter abrang.

Von Christoph Höland

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