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In der Jungmühle Kind werden für einen Tag

Familienerlebnispark Ziegenhagen In der Jungmühle Kind werden für einen Tag

Abgelegen, umgeben von Wäldern und Hügeln, nahe der Werra, zwischen Hann. Münden und Witzenhausen liegt der Familienerlebnispark Ziegenhagen, mitten im Frau Holle Land. Vom nahe gelegenenen Meißner aus schüttelte sie die Betten, um es schneien zu lassen.

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Steil bergab: Die kurze, aber schnelle Fahrt endet für die Passagiere im Wasserbecken.

Quelle: Hinzmann

Ziegenhagen. Nicht etwa Fahrgeschäfte groß wie Häuser, Lärm und laute Musik empfangen die Gäste des Parks, sondern alte Fachwerkhäuser, eins davon mit plätschernder Jungmühle: „Hier werden Weiblein und Männlein wieder Jung gemacht“, steht in schlichter schwarzer Schrift auf einem weißen Schild direkt darüber. Dazwischen immer wieder bunte Blumen, unzählige Bäume und eine Obstwiese als Parkplatz. Ein hellgelbes Türmchen mit ziegelrotem Spitzdach ragt hinter dem Eingang hervor: Ein Schloss im Miniaturformat, mit Giebeln, Tor und Wehrmauer, bemalt mit Gespenstern, Goblins, Spinnen und Skeletten.

Frau Holle steht nicht persönlich an der Kasse, um die Neuankömmlinge zu begrüßen, aber die Dame in der kleinen Holzhütte, umringt von Souvenirs und Süßigkeiten, lächelt so herzlich, wie man sich Frau Holle vorstellt. Im Park angekommen, führt der Weg zur Gaststätte, um den großen Teich im oberen Teil des Parks herum. Über den Teich ist eine Seilbahn gespannt, eine Entenfamilie tummelt sich am Ufer. Hinter einem Zaun stehen gewaltige Landwirtschaftsgeräte. Pflug und Egge aus Opas Zeiten sind schon lange nicht mehr im Einsatz. Zusammen mit verblassten Info-Tafeln erzählen sie Geschichten vom entbehrungsreichen Bauernleben vergangener Jahrzehnte.

Vorbei an Ponys und dem Lebkuchenhaus der Hexe, deren Knusperhäuschen vom Zahn der Zeit zerknuspert ist, geht es hinab in die uralten Gemäuer des Gruselkellers. Der ist nicht nachgebaut, wie das Spukschloss, sondern viele hundert Jahre alt. Es riecht modrig, feucht. Rechts ein Gewölbe, darin Grabsteine und einige Folterwerkzeuge hinter einer Glasscheibe. Direkt daneben, ein schwarzer Vorhang: Dahinter ein schmaler Gang, man sieht kaum die Hand vor Augen, und plötzlich stürzt grölend, grollend, augenrollend ein Monster von der Seite hervor. Der Herzschlag hat sich noch nicht ganz eingependelt, da springt ein Tiger um die Ecke. „Aaaahhhh!!“ schreit ein Junge und rennt, verschreckt vom letzten Schreckgespenst, so schnell er kann ins Freie. 

Ein Hochglanz-Park mit High-Tech Attraktionen, Shows und Events für abenteuerlustige Jugendliche ist das hier nicht. „Ein Park von Familien für Familien“, beschreibt Inhaber Axel Surup die Philosophie des Parks, während er unter Zeitdruck um den Achterbahn-Simulator herum läuft, dessen Technik seine ganze Aufmerksamkeit fordert. Ein geradezu futuristisches Gerät, im Vergleich zu den anderen Attraktionen. Es ähnelt dem Cockpit eines Schnellzuges, nur dass es keine Fenster gibt. Surup muss mehrere Knöpfe und Schalter zur richtigen Zeit drücken. Die Hydraulik zischt, während die blaue Riesenkapsel ruckartig in alle Richtungen kippt, sich wieder aufrichtet, um dann die Insassen erneut durchzuschütteln.

Surup ist schon auf dem Sprung zur nächsten Station für die kleinsten Gäste. Das bunte Karussell für sechs Kinder mit blauem Spitzdach und ausgestattet mit Polizeiauto und grinsenden Tieren, geht gleich in die nächste Runde. Karussell und Simulator sind die einzigen Attraktionen im Park, die von Personal bedient werden müssen. Das übernimmt Surup persönlich. Bevor er loszieht, zeigt er stolz das deutschlandweit erste Karussell, mit dem, neben den üblichen Fahrgästen, auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen fahren können. Es ist mit Drehplattform und Haltestangen auf das Wesentliche reduziert und dreht sich nur so lange die Fahrgäste einen Schalter drücken. Lässt man los, bleibt es stehen.

Gleich darauf ist Surup auf einem der Pfade verschwunden, die allesamt behindertengerecht angelegt sind. Unvermittelt dudelt ganz in der Nähe ein Banjo typischen Bluegrass-Country. Vorbei an Hahn und Huhn, die in Erwartung auf Popcorn schon am Zaun stehen, ist die Musik eindeutig Omas Schnapsbrennerei zuzuordnen. Dort hat gerade ein altes Ehepaar Freude beim schießen auf Zielscheiben. Der erste Schuss sitzt und öffnet die Tür eines Plumpsklos: Ein zerzauster Farmer in Holzfällerhemd beugt sich vor und spuckt den Senioren entgegen. Schallendes Lachen. Der nächste Schuss ist noch nicht gefallen, da wartet schon die nächste Attraktion. Es gibt viel zu entdecken. Über 60 Attraktionen besitzt der Park, dazu noch die Museen. Also schnell zur Jungmühle, Kind sein für einen Tag.

Von Peter Otto

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