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In der Überzahl, aber ohne Technik

Aus dem Amtsgericht Göttingen In der Überzahl, aber ohne Technik

Der Krach begann schon vor der mitternächtlichen Knallerei. Ehe das neue Jahr schlug, musste die Polizei anrücken. Weil sie im Streit um einen gestohlenen Silvesterböller zwei andere Jugendliche verletzt haben sollen, müssen sich drei 17- bis 19-Jährige vor dem Jugendrichter verantworten. Doch das Verfahren wird eingestellt, ehe es unübersichtlich wird.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die jungen Männer heißen Mamadu, Mehmed und Ali (Namen geändert). Von ihren Gegnern sprechen sie als "die Asylanten". Ihre eigenen Eltern stammen aus dem Jemen und Schwarzafrika, dem Libanon und Algerien. Die Kontrahenten aber seien Flüchtlinge aus Syrien, also nicht von hier.

Vor dem Jugendrichter steht das Trio, weil sich einer der Syrer in der Silvesternacht 2014 in der Göttinger Innenstadt an einem Feuerwerkskörper des Trios vergriffen haben soll. Darauf habe man mit vereinten Kräften den vermeintlichen Dieb geschlagen und getreten, heißt es in der Anklageschrift. Als ein zweiter Syrer schlichtend eingegriffen habe, sei auch dieser geschlagen worden.

Statt eines Geständnisses kommt zum Auftakt Widerspruch. So sei es nicht gewesen, sie seien die eigentlichen Opfer, sagen die Angeklagten. Die anderen hätten mit zehn Mann auf sie eingeprügelt. Warum sie denn dann nicht verletzt waren, will Richter Oliver Jitschin wissen. "Die hatten keine Technik", sagt der Wortführer des Trios über die Syrer. Die hätten nur um sich geschlagen, einer mit einem Gürtel. Er legt dem Richter eine Liste mit Facebook-Fotos und Namen auf den Tisch, viele Fantasienamen. Es sind Facebook-Namen. Es müsste erst ermittelt werden, wer dahinter steckt. All diese Typen seien dabei gewesen und hätten mit geprügelt.

Aufklärung verspricht eine Vernehmung der Opfer. Die aber sind zum Prozess nicht erschienen. Bei Aufruf kommt niemand herein. Kein Interesse an einer Verurteilung des Gegners - offenbar. Ordnungsgeld gegen die fehlenden Zeugen, oder doch lieber eine Einstellung? Es sei ja bei solchen Schlägereien so, sagt der Richter, dass man nie genau aufklären könne, wer angefangen hat. Aber mitunter hätten gerade diese Kirmes- oder Feier-Schlägereien schreckliche Folgen - siehe die Kirmes-Schlägerei in Grone, als ein Opfer lebenslangen Schaden erlitt. Hier scheint der Schaden selbst den Opfern nicht mehr von Interesse zu sein. Das Verfahren wird eingestellt. Erst danach erscheint mit Verspätung doch noch ein Zeuge. Er darf wieder gehen.

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