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„In vielen Situationen an Grenzen gestoßen“

FSJ in Indien „In vielen Situationen an Grenzen gestoßen“

Die letzten Prüfungen sind längst geschrieben, das Abiturzeugnis sicher in einem Ordner abgeheftet. Aber was kommt jetzt? Die meisten fahren in den Urlaub, bewerben sich bei Universitäten oder beginnen eine Ausbildung.

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Möchte sich die indische Gastfreundschaft zum Vorbild nehmen: Nils Hungerland.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Bovenden. Nicht so Nils Hungerland aus Bovenden. Der 19-Jährige wollte nach seinem Abitur am Felix-Klein-Gymnasium ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren – am liebsten in einem Entwicklungsland.

Im Rahmen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes flog er im August 2011 nach Indien. Jetzt ist er wieder zu Hause und hat viele Eindrücke mitgebracht.

„Ich habe schon lange überlegt, nach dem Abi ins Ausland zu gehen, um eine andere Kultur kennenzulernen“, erzählt er. Und er erinnert sich mit leuchtenden Augen an seinen sechsmonatigen Schüleraustausch in Mexiko: Diese Erfahrung habe ihn in seinem Entschluss, eine weitere fremde Kultur kennenzulernen, nur bestärkt. „Und dieses Mal habe ich mir das kontrastreichste Land ausgesucht, nämlich Indien“, sagt der 19-Jährige.

Zur Vorbereitung habe er etwas Hindi gelernt. „Sogar ein Buch darüber habe ich mir gekauft“, sagt er und lacht. Doch in Indien angekommen musste er feststellen, dass keinesfalls alle Inder dieser Sprache mächtig sind. Im Bundesstaat Karnataka wurde stattdessen in der Landessprache Kannada kommuniziert.

„Da hat mir mein Buch nicht viel gebracht. Aber obwohl die Verständigung nicht immer leicht war, war sie doch keinesfalls unmöglich. Am Ende hat sie sogar viel Spaß gemacht“, erinnert sich Hungerland. Außerdem habe es ohnehin viel Körpersprache gegeben. Und noch während er spricht, zeigt er einige Handzeichen.

Auch viele indische Floskeln habe er übernommen. „Das musste ich mir hier in Deutschland erst einmal abgewöhnen“, gibt er zu. Zum Beisiel sei es in Indien üblich, statt „Wie geht es Dir?“ „Was hast Du heute gegessen?“ zu fragen. „Da waren die Leute hier ganz schön verwundert, wenn ich sie danach gefragt habe“, meint Hungerland.

Gearbeitet hat er in Indien in einer Schule für Stammeskinder. In der ersten Zeit wohnte er bei einer indischen Gastfamilie, bevor er mit anderen Freiwilligen im Gasthaus, dem Büro der Organisation, lebte.

Seine Entscheidung bereut er nicht: „In vielen Situationen bin ich an meine Grenzen gestoßen, aber die Vorbereitungsseminare haben mir da weitergeholfen“, erzählt er. So fand er die Verschmutzung der Straßen durch Müll abschreckend.Dafür gab es auch besondere Momente, etwa eine Einladung zum Essen seiner Koordinatorin zu sich nach Hause. „Mehrere Sachen aus Indien möchte ich mir bewahren, dazu gehört auch die Gastfreundschaft“, berichtet er, während sein Blick in die Ferne schweift.

Ganz so, als sei er in Gedanken immer noch ein bisschen in Indien. Durch das Jahr habe er einen anderen Blick auf viele Dinge gewonnen. „Auf alle Fälle kann ich es nur jedem empfehlen“, sagt Hungerland.
Jetzt kümmert er sich um sein Studium. „Ich möchte Politikwissenschaft studieren, in Freiburg, Bremen oder Marburg“, erzählt er. Doch auch nach Indien möchte er unbedingt irgendwann noch einmal zurück.

Einen Blog dazu gibt es unter: nils-in-indien.blogspot.de

Infos zum Freiwilligen Sozialen Jahr

Die Bewerbungen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) richten sich an den Träger der Einrichtungen.

Die Vergütung der FSJler kann unterschiedlich ausfallen, beträgt aber um die 300 Euro monatlich. Manchmal werden Verpflegung und Unterkunft gestellt, was die Auszahlung des Taschengeldes verringern kann. Der Anspruch auf Kindergeld oder Halbwaisenrente bleibt aber bestehen.

Die Träger sind zu einer pädagogischen Begleitung der Freiwilligendienstler verpflichtet, außerdem sind Seminareinheiten mit 25 Tagen pro Jahr vorgesehen, die im Blockunterricht stattfinden. Die Seminarteilnahme ist für die FSJler verpflichtend. Auch im Ausland ist es möglich, ein FSJ zu machen, was aber meist eine gründliche Vorbereitung notwendig macht. Versicherungen, Visa und Vorbereitungsseminare werden nicht mit staatlichen  Mitteln gefördert und  fallen daher meist zu Lasten der FSJler.

Die Stellen werden durch anerkannte Entsenderorganisationen bestimmt. Zugelassen sind Bewerber zwischen 17 und 27 Jahren. Die rechtliche Grundlage für das FSJ ist bundesweit im Jugendfreiwilligendienstgesetz (BFDG) geregelt.

Von Xenia Buchwald

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