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Im eigenen Film unterwegs

Inklusives Theaterprojekt: „Let᾽s go to Hollywood“ Im eigenen Film unterwegs

Die amerikanische Traumfabrik war Ziel der Theateraufführung „Sehnsuchtsorte – „Let᾽s go to Hollywood“ am Sonnabend im ehemaligen IWF. Ein inklusives Theaterprojekt des freien Theaters Boat People Projekt in Kooperation mit my.worX und dem Institut für angewandte Sozialfragen.

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Quelle: r

Göttingen. In der Abflughalle herrscht Aufregung. Flüge scheinen storniert zu sein. Doch keiner weiß, was eigentlich los ist. Denn es gibt keine Informationen. Und so kommt es, wie es kommen muss. Es fängt an, zu menscheln.

Die Fluggäste beäugen sich untereinander. Der coole Typ mit der Gitarre murmelt etwas von einem „wichtigen Auftrag“ und auch der schräge Professor rückt nicht richtig heraus mit seinem Ziel. Ein junger Mann probt für ein anstehendes Schauspiel-Casting andauernd seine Szene als Robert de Niro in „Taxi Driver“. Und als eine Gruppe junger Frauen alle Reisenden zu einer Teegesellschaft verdonnert, platzt dem jungen FBI-Agenten der Kragen. Als ob das nicht alles schon genug wäre. Immer wieder taucht ein Horrorclown auf der Balustrade über der Bühne auf.

Das irreale Chaos legt sich nach und nach. Allmählich wird klar, hier sind alle in (ihren eigenen) Filmen unterwegs. Ob „Blues Brothers“ oder Woody Allens „Manhattan“, „Catch me if you can“ oder „Da Vinci Code“. Auf der Reise zwischen Realität und Fantasie kommen die Akteure sich näher. Und alle haben eines gemeinsam: Der ekelige Horrorclown aus „Es“ terrorisiert sie mit hämischen Kommentaren.

Ein Gegengewicht zu dem clownesken Albtraum schaffen die Figuren der Teegesellschaft aus „Alice im Wunderland“. Sie erkennen, dass hier alle mit der Angst kämpfen. Gemeinsam und mit der Macht des Willens und der Fantasie sind die Reisenden stark. Letztlich heben sie doch noch ab.

Vor rund fünf Monaten startete das inklusive Theaterprojekt. Franziska Aeschlimann und Nina de la Chevallerie vom „Boat People Projekt“ haben mit einer Gruppe spielwütiger Filmfans in einem Workshop das Bühnenstück „über das Träumen in der Traumfabrik und die Lust am Filmzitat“ erarbeitet. Die zehn Laiendarsteller spielen berühmte Filmszenen nach, parodieren und zitieren sie und fügen sie in eine selbst geschriebene Rahmenhandlung.

Auf der Bühne stehen dabei nicht die schauspielerischen Fertigkeiten im Mittelpunkt, hier geht es um die durchaus humorvolle Auseinandersetzung mit Herausforderungen des Lebens. Und in einigen berührenden Momenten nehmen die zehn Spieler auch die Zuschauer mit auf die fantasievolle Reise.

Zum dritten Mal bringe die Einrichtung my.worx, die nahezu 100 psychisch Erkrankte bei der sozialen und beruflichen Integration unterstützt, gemeinsam mit Kooperationspartnern ein inklusives Theaterstück auf die Bühne, erklärte Werkstattleiterin Christiane Stock. „Es geht dabei immer um Angstüberwindung“.

Eine weitere Aufführung / Workshop-Präsentation gibt es am Sonntag, 14. Mai, um 18 Uhr im Theater im IWF in Göttingen, Nonnenstieg 72.

Von Karola Hoffmann

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