Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Insektenkundliche Führung auf ehemaliger Bauschuttdeponie Göttingen

Schnaken, Schrecken und ein Golfplatz Insektenkundliche Führung auf ehemaliger Bauschuttdeponie Göttingen

Eine insektenkundliche Führung – eigentlich eher etwas für Spezialisten. Nicht aber, wenn es um ein Thema geht, über das in Göttingen heftig diskutiert wird: Natur oder Golfplatz?
Hans Jürgen Joger vom Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum war Leiter der Führung, die am Sonnabendmorgen auf die ehemalige Bauschuttdeponie im Westen Geismars führte.

Voriger Artikel
Göttingen ist Gastgeber der Tourismus-Konferenz
Nächster Artikel
Analysten befürchten Immobilienblase in Göttingen

Auch eine gewöhnliche Schnake ist ein Indiz für biologische Vielfalt, meint Hans Günter Joger.

Quelle: Heinzel

Geismar. Mit weit ausholendem Schwingen von Keschern gab es anfangs eine vorläufige Bestandsaufnahme. Die erbrachte eine gehörige Insektenvielfalt: Schnaken, Schrecken verschiedener Art, Käfer, Fliegen und Verwandtes – aber keine wirklich seltenen Arten.

Das sei dennoch nicht selbstverständlich, meinte Joger. Schließlich handele es sich bei dem Gelände um eine ehemalige Bauschuttdeponie, deren Naturwert im öffentlichen Bewusstsein allerdings oft unterschätzt werde. Gerade einmal 30 Jahre nach der Schließung der Deponie habe sich die Natur das Gelände weitgehend zurückerobert und biete einen Lebensraum nicht nur für die Insekten, sondern auch für viele Vögel. Auch Rebhühner seien schon gesichtet worden, berichtete ein Führungs-Teilnehmer.

Das aber, so meinte nicht nur Joger, sei nun in Gefahr. Dann nämlich, wenn, wie angedacht, die ehemalige Deponie samt seiner Umgebung zu einem 75 Hektar großen Golfplatz gemacht werde. Ein Golfplatz müsse intensiv gedüngt werden, meinte ein anderer Teilnehmer, um den erwünschten lupenreinen Rasen zu erhalten. Mit der Artenvielfalt sei es dann vorbei.

Joger schränkte allerdings ein, das betreffe nur die Greens, also die direkten Spielflächen. Aber insgesamt werde der immerhin laut Plänen etwa 100 Fußballfelder große Golfplatz nicht nur das Naherholungsgebiet für viele Göttinger Bürger, sondern auch die biologische Vielfalt stark beeinträchtigen.

Joger wie auch andere Teilnehmer an der Führung zweifelten zudem die von den Initiatoren wie der Göttinger Freizeit GmbH erwartete Nachfrage an: Die vier Golfplätze in einem Umkreis von 30 Kilometern seien genug. Und selbst die hätten derzeit reichlich Kapazitäten frei, meinte Joger.

Und noch eine Erkenntnis erbrachte die Insekten-Führung: In diesem Jahr gibt es offenbar massenweise Zecken. Dazu könne der milde Winter beigetragen haben, meinte ein Teilnehmer. Jogers Rat: Das hohe Gras meiden und nach dem Spaziergang sorgfältig Beine und Hose untersuchen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Matthias Heinzel

Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“