Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Instrumentenbauer auf den Spuren der Hummel

Ein archaisches Instrument Instrumentenbauer auf den Spuren der Hummel

Das Spiel auf der Hummel sei eine kulturhistorische Besonderheit, sagt Wilfried Ulrich. Der Instrumentenbauer aus Ostfriesland hat sich auf Spurensuche des vor allem im Solling bekannten Instruments begeben. Der Göttinger Wolfgang Beisert ist einer der wenigen Musiker, die auf der Hummel spielen.

Voriger Artikel
Göttinger Sternsinger brechen erneut ihren Spendenrekord
Nächster Artikel
Tageblatt Wochenendkolumne von Christoph Oppermann

Der Mann und sein Instrument: Wilfried Ulrich mit Hummel.

Quelle: EF

Northeim/Göttingen. Die Hummel sei ein Musikinstrument, das seinen Namen den tief klingenden Begleitsaiten außerhalb des Griffbretts verdankt.

Diese „brummen beim Spiel auf dem Instrument immer mit – so wie ein Summen und Brummen der Hummeln im Flug“, beschreibt Ulrich, der Zupfinstrumente baut und restauriert und dank seiner Recherchen als Spezialist für Hummel-Instrumente gilt. Diese sogenannten Borduntöne (französisch Bourdon bedeutet Hummel) machten das Instrument zu einem „klanglichen Verwandten der Drehleier und auch zum Dudelsack“, erläutert Ulrich.

Die Hummel sei ein Vorläufer der Konzertzither und werde immer auf dem Tisch liegend gespielt. Das weiß auch der Göttinger Wolfgang Beisert. Diese Gattung der Zithern kenne er noch aus seiner Zeit mit der damaligen Band Lilienthal. Heute ist der 61-Jährige Mitglied der Band Front Porch Picking.

In den 70er-Jahren habe er in einem Workshop eine Hummel selbst gebaut. Er spricht von einem „archaischen Instrument“, weil es schon sehr alt sei und schon früh viele Formen gab. Der Hohlkörper diene als Resonanzkörper.

Beisert weiß auch, dass die Hummel je nach Herkunft viele Namen hat. In der Region sei sie vor allem im Solling bekannt, wo sie Hümmelke genannt werde. Die amerikanische Variante der Bordunzither nenne sich Dulcimer, die wiederum mit dem europäischen Scheitholz, dem Vorläufer der heutigen Zither verwandt ist.

Je nach Form des Instrumenten-Korpus erklärt Beisert, spreche man von Épinette (Ursprung in Frankreich, einfache Kastenform), Raffele (alpenländischer Raum, eine gerade und eine leicht bauchig-geschwungene Seite) und Dulcimer (beide Längsseiten geschwungen). Das Instrument, das Beisert bei verschiedenen Feiern spielt, ist eine Hümmelke, die ihm der Sollingverein als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

Dort hat der Göttinger Musiker auch die meisten Hümmelke-Auftritte. Das Instrument sei „einfach und auch ohne langes Training zu spielen“. Der Sollingverein, so dessen Vorsitzender Heinz Noack, habe sich bereits 2008 eine Hümmelke von Instrumentenbauer Ulrich anfertigen lassen – einen Nachbau eines der ältesten Instrumente aus der Solling-Region.

Ulrich hat anhand verschiedener Quellen die Geschichte der Hümmelke im Solling recherchiert. Ein Instrument befindet sich laut Ulrich in einem Brüsseler Museum, ein weiteres, das 2015 aufgetaucht sei, befinde sich in Köln in Privatbesitz, nachdem er es zuvor restauriert habe. Ein Original sei im Museum in Northeim, eine weitere Hummel in der Musikinstrumentensammlung der Göttinger Universität zu sehen.

Weitere Infos über die Hummel gibt es unter ulrich-instrumente.de.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016