Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Kommunen könnten abgehängt werden

Internetausbau Kommunen könnten abgehängt werden

Der Ausbau des Breitbandinternets kommt im Landkreis Göttingen nur schrittweise voran. Das führt dazu, dass einige Kommunen wirtschaftlich und gesellschaftlich abgehängt werden könnten, so die Kritik von Detlev Barth von der Wirtschaftsförderung Region Göttingen. Der Grund dafür liegt seiner Ansicht nach beim Bund.

Voriger Artikel
Tanzende Schneeflocken
Nächster Artikel
„Die Leute kommen von weit her“
Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Das Ziel der Bundesregierung lautet: Bis 2018 sollen mindestens 85 Prozent der Bürger Zugang zu einem Internetanschluss von mindestens 50 Megabit pro Sekunde im Download haben. „Doch das Ziel liegt in weiter Ferne“, sagt Detlev Barth. Immer wieder werden bei der Bundesförderung die Kriterien für die Antragsstellung verändert, was den Zeitplan markant verzögere. Der Bund stellt für den Ausbau des Breitbandnetzes vier Milliarden Euro zur Verfügung. Der Höchstbetrag an Bundesförderung pro Projekt liegt bei 15 Millionen Euro. „Es ist gut, wenn der Bund eigene Mittel zum Ausbau zur Verfügung stellt. Es geht aber nicht an, bei so einem komplexen Antragsverfahren alle paar Monate die Fördervoraussetzungen zu ändern“, sagt Barth.

In der Region Göttingen hat sich der Landkreis bereit erklärt, für ein flächendeckendes Breitbandnetz zu sorgen. Doch der Ausbau müsse viel schneller erfolgen, damit die Kommunen wettbewerbsfähig bleiben und unter ihnen keine Zweiklassengesellschaft entstehe, so Barth. Schon heute verlieren vereinzelte Gewerbegebiete in der Region ihre Attraktivität, weil die Übertragungsraten im Internet zu langsam sind. Auch Wohngebiete sind betroffen, wenn der schnelle Internetzugang fehlt. Damit sinkt der Wert von Bauland und fertiggestellten Immobilien. „Das kann sich eine Region nicht leisten. Heute ist schnelles Internet wie Strom oder Wasser ein grundlegendes Bedürfnis für Menschen“, sagt Barth. Aus diesem Grund hat der Landkreis dafür in seiner jüngsten Sitzung vier Millionen Euro in den Haushalt 2017 eingestellt. „An uns liegt es also nicht“, sagt Barth.

Während der Wirtschaftsförderer Barth bezweifelt, dass die Strategie des Bundes auf diese Weise aufgeht, glaubt die Deutsche Telekom weiter daran, dass die aktuelle Breitbandstrategie der Bundesregierung realistisch ist und bis 2018 alle hiesigen Haushalte prinzipiell mit einem Internetanschluss mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden können. "Wir sind auf gutem Wege", sagt dazu Marcus Isermann, Regulierungsexperte bei dem Bonnern Konzern. Laut Bundeswirtschaftsministerium liegt die Versorgungsquote in Niedersachsen derzeit aber bei lediglich 43,5 Prozent, bundesweit bei 55 Prozent.

Für Barth ist der Breitbandausbau mit 50 Megabit pro Sekunde zudem viel zu kurz gedacht. Schnell werden seiner Meinung nach die Erwartungen der Nutzer steigen. Damit müsste auch der Bund ein neues Förderprogramm lancieren. „50 MBit/s bis 2018 ist für die Bedürfnisse heute schon zu wenig“, meint Barth. Rückenwind bekommt er aus Berlin. Die SPD Bundestagsfraktion setzt sich bereits für nachhaltige Förderung von gigabitfähigen Infrastrukturen ein. Bis 2025 will sie ein flächendeckendes Gigabit-Netz ermöglichen. mb

Voriger Artikel
Nächster Artikel