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Interview mit Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg

Umbau der zentralen Fußgängerzone bis 2013 Interview mit Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg

Fußgängerzone, Stadtbad, Wissenshäuser: In der Stadt Göttingen gibt es zur Zeit zahlreiche Bauprojekte. Über die Pläne haben Michael Brakemeier und Britta Bielefeld mit Stadtbaurat Thomas Dienberg gesprochen.

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Erst Vorstellungen definieren, dann Investoren suchen: Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Tageblatt : Es gibt viele Pläne und Projekte in der Stadt, realisiert wurde bislang kaum eines. Beispiel: Wie steht es um die Entwicklung des ehemaligen Stadtbad-Geländes?

Dienberg: Die erste Planungsphase ist abgeschlossen. Durch die Ausschreibung haben wir mehrere Interessenten gewonnen, deren Angebote jetzt vorliegen.

Gibt es denn darunter wirklich überzeugende Konzepte für das Gelände?

Nach unserer ersten Einschätzung ja. Die Stadtverwaltung hat in der Ausschreibung bereits sehr konkrete Vorgaben gemacht, die die Investoren einhalten müssen. Die eingereichten Konzepte werden jetzt genau geprüft.

Was sind das für Vorgaben?

Die Anbindung des Waageplatzes durch die Schaffung einer neuen Ost-West-Fuß- und Radwegeverbindung, dann die verkehrliche Erschließung möglichst über das Parkhaus am Carré. Aber auch die gastronomische Nutzung der Mühle, die als Option ausgewiesen ist.

Das Gelände liegt seit mehr als zehn Jahren brach. Warum dauert das so lange?

Meine Intention war es immer, zu definieren, was sind die Vorstellungen der Stadt auf dem Stadtbadgelände und sich dann erst auf die Suche nach einem Investor zu begeben. Nicht umgekehrt, wie dies lange Zeit die Strategie war. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer hat dies erkannt und drückt jetzt auf die Tube. Die Bauverwaltung hat einen Rahmenplan vorgelegt, der vom Rat verabschiedet wurde und auf dessen Basis wir das Gelände ausgeschrieben haben. Vor allem gilt aber: Sorgfalt vor Schnelligkeit, Städtebau ist ein langfristiges Geschäft und schlechte Lösungen waren noch nie kurzfristig korrigierbar.

Auch am Groner Tor, auf dem Gelände des ehemaligen tierärztlichen Instituts sollte ein Projekt – ein Hotel- und Gewerbeneubau – realisiert werden.

Das Verfahren ist hier ähnlich weit fortgeschritten wie das des Stadtbad-Areals, sogar etwas weiter. Auch hier liegen uns konkrete Angebote vor. Das Nutzungskonzept steht fest: ein Hotel, Dienstleistungen und Einzelhandel. Noch im Herbst des Jahres soll für das Gelände ein Ratsbeschluss für eine Neubebauung vorliegen.

Ein Wissenshaus im alten Gefängnis, ein Kunstquartier, neue Wohnbebauung auf dem Gelände der Kommende am Groner Tor, Umbau der zentralen Fußgängerzone – alles schöne Pläne. Man hat allerdings das Gefühl, es wird viel geplant und wenig umgesetzt.

Das stimmt so nicht. Das Innenstadtbauprogramm setzen wir, jetzt auch gefördert durch die EU, seit 2003 erfolgreich um. Allerdings müssen wir auch zur Kenntnis nehmen, dass wir in eine Rezession hineingeraten sind. Das Kunstquartier beispielsweise wurde immer als eine machbare Vision vorgestellt. Eine Realisierung in Kürze ist nicht in Sicht. Für die Wissenshäuser ist inzwischen eine Broschüre erstellt worden. Mit deren Hilfe sollen nicht nur öffentliche Fördertöpfe angezapft, sondern auch private Gelder eingeworben werden.

Und der Umbau der Fußgängerzone? Auch dafür wurden bereits öffentlich Entwürfe vorgestellt.

Die Prinzenstraße und die Lange Geismarstraße sind ja bereits fertig. Wir haben den Albani-Platz und die Brücke über den Leinekanal umgebaut, ebenso ist der Bereich vor dem Audimax fertiggestellt, der Umbau der Theaterstraße ist angelaufen.

In der Theaterstraße waren nicht alle hellauf begeistert.

Wir haben noch einmal Gespräche geführt, und ich habe den Eindruck, dass wir im Guten auseinander gegangen sind. Der Großteil der Anlieger akzeptiert die Notwendigkeit des Umbaus auch wenn sie nicht gerade Hurra geschrieen haben.

Die Anlieger müssen dafür kräftig zahlen.

Ja, ebenso wie die Anlieger der Reinhäuser Landstraße, des Friedländer Weges und alle anderen Anlieger an öffentlichen Straßen, bei denen Umbaumaßnahmen stattfinden. Der Anliegeranteil, der ja weniger als 50 Prozent der Gesamtkosten beträgt, ist nun einmal in einer Satzung festgelegt, die von der Politik beschlossen wurde. Was ich bedauere ist, dass die EU-Mittel aufgrund der Vorgaben durch das Land Niedersachsen nicht den Anwohnern zugute kommen können.

Wie geht es weiter in der City?

In 2010 möchten wir die Verlängerung der Theaterstraße und die Burgstraße bis zum Ritterplan in Angriff nehmen. Für den nördlichen Teil der Burgstraße hoffen wir auf Fördergelder. Wir haben einen Antrag gestellt, die Töpfe sind da, man muss sie erschließen. Die Burgstraße soll wegen der künftigen Entwicklung des Städtischen Museums in das Programm aufgenommen werden.

Wann ist die zentrale Fußgängerzone an der Reihe?

Das entsprechende Förderprogramm für den Umbau dieses Abschnitts – vom Jacobi-Kirchhof bis Kornmarkt – läuft bis 2013. Das heißt: Wir müssen 2013 fertig sein. Mindestens der Abschnitt von der Theaterstraße bis zum Kornmarkt inklusive des Marktes soll bis dahin umgestaltet sein.

Stichwort Markt: Für den Rathskeller wird gerade ein neuer Betreiber gesucht. Zur Neueröffnung eine Großbaustelle vor der Tür wird vermutlich nicht gerade für Freude beim Investor sorgen.

Der Ablauf der Bauarbeiten ist noch nicht endgültig geplant. Sicher aber ist: Auch die Bauarbeiten sind Gegenstand der Verhandlungen mit den Bewerbern für den Rathskeller. Ich bleibe dabei: Der Umbau des zentralen Teils der Fußgängerzone muss bis 2013 gelingen, weil er eine Symbolwirkung für die ganze Innenstadt hat, von der auch die Seitenlagen profitieren werden. Aber: Alle künftigen Projekte stehen unter dem Vorbehalt der Finanzierung im Rahmen der künftigen Haushalte.

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