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Zahl der Dschihadisten in Göttingen steigt an

Interview mit Salafismus-Expertin Nina Käsehage Zahl der Dschihadisten in Göttingen steigt an

In Göttingen gibt es nach Angaben von Nina Käsehage seit mehreren Jahren gewaltbereite Dschihadisten. Ein Interview zu den aktuellen Razzien.

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Pressekonferenz zu den Razzien in Göttingen.

Quelle: dpa

Göttingen. Tageblatt: Wie schätzen Sie die Gefahr durch gewaltbereite Salafisten in Niedersachsen ein? Halten Sie Anschläge in Göttingen für möglich?

Nina Käsehage: Es gibt eine dschihadistische Szene in Göttingen, die seit drei bis vier Jahren anwächst. Allerdings ist sie keineswegs vergleichbar mit der von Städten wie Berlin.
Gehört Göttingen zu den Städten mit überdurchschnittlich vielen Salafisten?

Es gibt eine gewisse Zahl von Salafisten hier. Überdurchschnittlich hoch ist sie jedoch nicht.
Was bringt junge Menschen dazu, sich solchen Gruppen anzuschließen?

Zahlreiche Gründe sind hierfür möglich, bspw. die berufliche Perspektivlosigkeit, die dazu beiträgt, dass ein junger Mensch sich ‚nutzlos‘ fühlt. Den neuen ‚Sinn‘ vermittelt ihm dann die salafistische Bezugsgruppe, bei der er sich verstanden und aufgehoben fühlt.

Zur Person: Nina Käsehage

Salafismus-Forscherin Nina Käsehage

Quelle: dpa

Die Religionswissenschaftlerin Nina Käsehage (38) arbeitet an der Uni Göttingen und forscht über den Salafismus in Deutschland. Für ihre Doktorarbeit führte sie Interviews mit Salafisten in ganz Europa. Das Buch erscheint demnächst.

Wie reagieren Salafisten auf polizeiliche Großeinsätze? Ist das einschüchternd oder wirkt es radikalisierend?

Das ist je nach religiösem Akteur unterschiedlich. Manche fühlen sich durch die Polizeieinsätze tatsächlich eingeschüchtert, andere erst ermutigt, sich vermeintlich stärker zur Wehr setzen zu müssen.
Wie sollte die Gesellschaft mit Salafisten umgehen? Sind alle Salafisten gewaltbereit?

Zahlreiche salafistische Gruppen sind gewaltablehnend. Es wäre demnach unklug, sie mit den gewaltbereiten zu vergleichen, weil sie mitunter selbst zum Opfer der Dschihadisten werden.
Welche Möglichkeiten bieten sich zur Prävention?

Wichtig wäre eine verstärkte Investition in die Bildung, denn eine bessere Bildung ist die beste Prävention. Wenn  tatsächlich 100 Millionen Euro für die Präventionsarbeit zur Verfügung gestellt werden sollten, müsste ein gewisser Anteil davon in Universitäten, Schulen, Kindergärten, den Jugendschutz sowie soziale Einrichtungen fließen, weil hier die Basisarbeit für ein friedliches Miteinander erfolgt.
Was raten Sie den politisch Verantworlichen in Göttingen? Was den Bürgern?

Hilfreich wäre es, wenn es zu einer tatsächlichen Zusammenarbeit disziplinübergreifender Experten käme und diese nicht nur angedeutet würde, um danach nicht realisiert zu werden. Bspw. hat sich der Verantwortliche des nds. Landespräventionsrates seit dem vergangenen Sommer trotz wiederholter Ankündigung nicht mit mir getroffen, obwohl es sehr viel zu tun gäbe. Das ist mir unbegreiflich, weil wir unseren Mitbürgern zusammen aktiv zur Seite stehen könnten. Wichtig ist es zudem, die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen.  Angst ist ein schlechter Ratgeber.

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