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„Ist Göttingen zu uncool?“

Diskussion mit Thomas Oppermann „Ist Göttingen zu uncool?“

Ländliche Kommunen sterben aus, große Städte wie Berlin, Hamburg oder München ziehen mit ihren Arbeitsplätzen junge Menschen an – ist die demografische Entwicklung so einfach erklärt? Dieser Thematik widmete sich Harald Simons vom Empirica-Institut Berlin am Donnerstagabend im Literarischen Zentrum.

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Thomas Oppermann (SPD) im literarischen Zentrum.

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Wie bleiben ländliche Räume attraktiv?“ fragte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD), der zu der Veranstaltung geladen hatte, eingangs. Die demografischen Entwicklungen seien in Göttingen schon zu spüren, das meiste liege aber noch vor uns. „Die Frage ist: Was müssen wir tun, um in der Kommune gut leben zu können?“

Abwanderung in Schwarmstädte

Wissenschaftler Simons überraschte bei seinem zahlenlastigen, aber dennoch kurzweiligen Vortrag mit überraschenden Erkenntnissen. So kann man aus allen Regionen bundesweit eine Abwanderung in bestimmte Schwarmstädte messen. Keinesfalls würden nur Menschen aus der näheren Umgebung die großen Städte ansteuern. Zweite Erkenntnis: Zu den Schwarmstädten gehören natürlich Metropolen wie Berlin oder Hamburg, aber auch kleinere Städte wie Münster oder Trier.

„Es sind nicht unbedingt große Städte, die die Menschen anziehen“, erklärte Simons. „Es sind Städte, die einen Ruf haben. Die haben was, was andere nicht haben.“ Er untermalte das mit einer Unterhaltung, die er mit einem Mann führte, der in Köln lebt, aber jeden Tag zur Arbeit nach Montabaur pendelt. „Der sagte: Abends will man nicht in Montabaur sein.“ Auch in Göttingen steige diese Zahl der sogenannten Einpendler immer weiter.

Göttingen verliert Bewoher

Simons konnte auch konkret zeigen, in welche Städte es die jungen Göttinger zieht: Gegenüber fast allen Schwarmstädten verliert Göttingen Bewohner. Einen nennenswerten Bevölkerungszuwachs kann Göttingen jedoch fast ausschließlich aus dem südniedersächsischen oder nordhessischen Raum verzeichnen. Die Frage bleibe, warum Göttingen es, anders als Städte mit ähnlichen Voraussetzungen, nicht schaffe, eine Schwarmstadt zu werden. „Ist Göttingen doch zu uncool?“, fragte Simons. „Ein Provinznest? Meine Meinung war nein, vielleicht aber ja doch.“

 

Für Oppermann steht fest: „Göttingen ist eine Stadt mit Potenzial, die sich aber selbst manchmal genung ist.“ Das Stadtmarketing müsse verbessert werden, Stadt und Region selbstbewusster nach außen treten. „Göttingen kann Schwarmstadt sein.“

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