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JT-Aufsichtsrat fühlt sich nicht verantwortlich

210 000 Euro Insolvenzforderung JT-Aufsichtsrat fühlt sich nicht verantwortlich

Welche Verantwortung trägt der Aufsichtsrat des Jungen Theaters für den Schaden, den die jüngste von zwei Insolvenzen des Hauses verursacht hat? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Landgericht Göttingen seit gestern.

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Schon zweimal in der Pleite: Junges Theater Göttingen, desssen Aufsichtsrat sich für nicht verantwortlich erklärt.

Quelle: Heller

Göttingen. Insolvenzverwalter Burkhard Wegener hat im Auftrag der Gläubiger, die durch die Insolvenz bis zu 210 000 Euro einbüßen, alle sieben Aufsichtsratsmitglieder verklagt, die zwischen 2007 und 2010 die Geschäftsführung des Theaters hätten kontrollieren sollen.

Des Klägers Vorwurf: Der Aufsichtsrat hat sich durch gefälschte Jahresabschlüsse täuschen lassen, hat darin offensichtliche Fehler nicht bemerkt, hat ausweislich der Protokolle die Abschlüsse gar nicht inhaltlich geprüft, hat sich den Abschluss 2007 überhaupt erst 2010 vorlegen lassen und hat jenen Wirtschaftsberater, der die falschen Jahresabschlüsse angeblich verantwortete, nicht einmal dazu angehört.

Fakt ist, dass der Aufsichtsrat getäuscht wurde. Die Verwaltungsleiterin des Theaters hatte im Arbeitsgerichtsverfahren zugegeben, gar keine Buchführung mehr gemacht zu haben und die Abschlüsse 2007 bis 2009 selbst gefälscht zu haben. Sie hatte dafür den Prüfbericht eines Wirtschaftsberaters kopiert und mit eigenen Zahlen versehen, die vorgaukelten, dass das Theater sich bei steigenden Zuschauerzahlen trage. Dabei wiesen die Berichte jede Menge Fehler auf. 2009 etwa sollten 26 339,68 Euro bar in der Kasse liegen. Die aber war leer, der Inhalt vermutlich veruntreut.

Der Aufsichtsrat aber sah sich nichts davon an und hatte keine Fragen an den Ersteller der Abschlüsse. „Das haben sie ja bei jedem Kaninchenzuchtverein, dass der Kassenprüfer gefragt wird, ob er die Kontosalden gesehen hat“, meint Kläger Wegener. Wäre der Aufsichtsrat seiner satzungsgemäßen Pflicht nachgekommen, wäre die Buchhalterin frühzeitig fristlos entlassen worden, und der Schaden wäre nicht entstanden.

Der Anwalt der auf 41 439,68 Euro Verklagten, von denen vor dem Richter keiner erschienen war (trotz persönlicher Ladung an alle sieben), bestreitet jede Verantwortung der Mandanten. Schon die formale Bestellung zum Aufsichtsratsmitglied wird angezweifelt – obwohl alle in Listen und Protokollen als Amtsinhaber benannt sind. Auch fehle der Nachweis, dass überhaupt Schaden entstanden sei. Eine ordnungsgemäße Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer hätte mehr gekostet, heißt es. Überhaupt habe nicht der Aufsichtsrat Abschlüsse prüfen müssen. Beide Seiten wechseln noch Schriftsätze aus. Ein Urteil folgt am 8. Januar.

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