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JVA Rosdorf: Freitod nach Schikane im Gefängnis?

36-Jähriger erhängt sich mit Betttuch in seiner Zelle JVA Rosdorf: Freitod nach Schikane im Gefängnis?

Er war gewiss kein bequemer Gefangener: 36 Jahre alt, vielfach vorbestraft, drogenabhängig und gewalttätig. In zahlreichen niedersächsischen Gefängnissen war er angeeckt. Jetzt untersucht die Staatsanwaltschaft seinen Tod.

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JVA Rosdorf aus der Luft: Zum zweiten Mal hat sich in einer Zelle der 2007 eröffneten Anstalt ein Häftling selbst getötet.

Quelle: Heller

Dirk-Oliver C. hat sich das Leben genommen. Er erhängte sich an seinem Betttuch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf. Was den Freitod in der Zelle brisant macht: Der Häftling C. könnte vor seinem Suizid in verschiedenen Haftanstalten des Landes von Vollzugsbediensteten schikaniert worden sein.

Am Tag vor seinem Tod soll er flehend nach einem Arzt gerufen haben, doch der wurde ihm angeblich verweigert. Und in Celle protokollierte gar ein Amtsgericht, der Häftling C. sei möglicherweise von Vollzugsbediensteten provoziert worden. Er selbst hatte in dem Prozess gar behauptet, drei vermummte Männer seien zu ihm in seine Einzelzelle geschickt worden und hätten ihn verprügelt und misshandelt. Aufgeklärt wurde diese Anschuldigung bisher nicht.

C. hatte eine „Niedersachsen-Rundfahrt“ hinter sich. So nennen Häftlinge es, wenn sie von Anstalt zu Anstalt verschoben werden. In Rosdorf war er Mitte April im gesicherten Bereich gelandet, so Anstaltsleiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger, weil es in der JVA Sehnde „einen Vorfall“ gegeben habe und Rosdorf besonders sicher sei. Zuvor war der wegen Beschaffungskriminalität Verurteilte schon in Celle, Wolfenbüttel und Hannover im Gefängnis.

Am 29. Juni stand er in Celle vor Gericht. Verhandelt wurden zwei Angriffe gegen Justizbeamte. Weil die ihm trotz mehrfacher Frage Toilettenpapier und Seife verweigert hatten und ihn stattdessen ungewaschen zum Hofgang zwangen, schlug er einen von ihnen mit der flachen Hand. Mehrere Wachtmeister führten ihn in die Beruhigungszelle. Dabei schlug er erneut zu, diesmal mit der Faust. Fast 20 Wärter überwältigten ihn danach. Der Film der Überwachungskamera im Gefängnisflur, so bestätigt Günter Busche, Direktor des Amtsgerichts Celle, zeige danach den Abteilungsleiter des Wachpersonals, wie er „grinsend und triumphierend den Arm empor reckt“.

Im Prozess war das Anlass, in einem Rechtsgespräch festzuhalten, ob C. nicht womöglich provoziert worden sei und das Personal „nicht angemessen reagiert“ habe. C. sagte aus, nach drei Stunden in der Beruhigungszelle von Vermummten misshandelt worden zu sein. Aufgeklärt wurde das nicht, denn zum zweiten Prozesstag, als Vollzugsbeamte hätten als Zeugen gehört werden sollen, kam es nicht.

Schon zum Prozessauftakt in Celle hatte der Angeklagte medizinisch untersucht werden müssen. Nach eigenen Angaben hatte er 42 Diazepam-Tabletten geschluckt, „um mich zu beruhigen“. Gefragt, ob er sie in Suizidabsicht genommen habe, widersprach er vehement. Er wurde für verhandlungsfähig befunden.

Am Tag nach Prozessauftakt soll er nachmittags erfolglos nach einem Arzt gerufen haben. Am Morgen des 1. Juli fand man ihn erhängt in der Zelle. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Diese Woche hat sein Anwalt Strafanzeige erstattet. Ermittelt wird nun wegen fahrlässiger Tötung.

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JVA Rosdorf

Justizminister Bernd Busemann (CDU) hat am Freitag auf Anfrage erklärt, es habe im Vorfeld keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass Dirk-Oliver C. suizidgefährdet war. Es sei auch kein Abschiedsbrief oder ähnliches bei ihm gefunden worden.

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