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JVA Rosdorf: Schoko-Weihnachtsmann als Sicherheitsrisiko

Unkontrollierter Hohlkörper JVA Rosdorf: Schoko-Weihnachtsmann als Sicherheitsrisiko

Nicht erst Drogen, Messer, Drohnen, Leitern oder Sprengstoff gefährden die Sicherheit im Knast – ein handelsüblicher Schokoladen-Weihnachtsmann reicht schon aus. Das hat nicht nur die JVA Rosdorf, sondern auch das Landgericht Göttingen festgestellt.

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Nicht erst Drogen, Messer, Drohnen, Leitern oder Sprengstoff gefährden die Sicherheit im Knast – ein handelsüblicher Schokoladen-Weihnachtsmann reicht schon aus.

Quelle: dpa (symbolbild)

Göttingen. Die Vorgeschichte: Zu Weihnachten 2014 schickten die Eltern von Peter W., Sicherungsverwahrter in Rosdorf, ihrem Sohn ein Päckchen zum Fest.

Den Schokoweihnachtsmann darin erhielt W. jedoch nicht: Die Figur gefährde die Sicherheit der Anstalt. Der Weihnachtsmann sei „ein Hohlkörper und deshalb dazu geeignet, verbotene Gegenstände wie etwa Sim-Karten oder Drogen in die Anstalt einzubringen“, erläuterte die JVA Rosdorf in dem späteren Gerichtsverfahren.

Zwar habe ein Rauschgiftspürhund das Paket beschnüffelt, und der Weihnachtsmann sei per Röntgengerät ohne Beanstandung durchleuchtet worden, aber: Ausreichende Sicherheit biete auch das nicht. So könne das Röntgengerät zwar die farbige Alu-Hülle des Weihnachtsmanns „farblich differenziert“ darstellen, sei aber nicht in der Lage, die organische Masse Schokolade von der organischen Masse Rauschgift zu unterscheiden.

Nach der Nichtaushändigung seines Geschenks zog Peter W. vor Gericht, um die Aushändigung der Schoko-Figur (Streitwert: zehn Euro) zu erzwingen. Allerdings ohne Erfolg: Auch das Göttinger Landgericht befand, der Weihnachtsmann sei ein unzulässiges Sicherheitsrisiko.

Daher sei die JVA „zu Recht davon ausgegangen, dass unkontrollierte Hohlkörper die Sicherheit der Anstalt dadurch gefährden, dass durch diese unbemerkt verbotene Gegenstände in die Anstalt eingeschmuggelt werden können“. Die Überprüfung durch Rauschgiftspürhund und Röntgengerät reiche nicht aus, „um das Einschmuggeln insbesondere von Drogen zu verhindern“.

Auch die detaillierten Bedenken der JVA über die Begrenzung der technischen Möglichkeiten des Röntgengerätes teilte das Gericht. Ergebnis: Der Weihnachtsmann blieb unter Verschluss (Az. 62 StVK 18/15).

Schließlich fand sich doch noch eine Lösung: Unter amtlicher Aufsicht zertrümmerte Peter W. den streitbehafteten Weihnachtsmann. Resultat: kein Hohlkörper, keine Gefahr. Die Reste durfte der Sicherungsverwahrte nun endlich in seine Zelle tragen.

Aber: Die Posse könnte sich bald wiederholen: Schließlich steht Weihnachten 2015 vor der Tür.

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