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Jagdschulleiter ohne Jagd- und Waffenschein

Inhaber muss seine Waffen zerstören Jagdschulleiter ohne Jagd- und Waffenschein

Der sichere Umgang mit Waffen ist das wichtigste Ausbildungsziel. Angehende Jäger lernen das in der Jagdschule. Der Inhaber einer solchen Schule aber hat dagegen verstoßen. Die Folge: Verurteilung, Entzug von Jagd- und Waffenschein, alle seine Waffen werden zerstört, seine Kursgebühren vom Staat eingezogen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Das Unheil begann im Göttinger Ostviertel an einem Spätsommerabend 2014. Der 35-Jährige war gerade von einem Lehrgang gekommen, in dem er Schüler auf die Jagdschein-Prüfung vorbereitete. Er gilt immerhin als Kapazität: Berufsjäger, studierter Förster, Inhaber einer großen Ausbildungsstätte für das edle Waidwerk. "Ich kann nicht leben ohne Jagd", beteuert er. Doch an diesem Abend hatte er es eilig. Er parkte sein Auto; seine Jagdwaffen ließ er auf der Rückbank liegen - für Stunden. Ein Zeuge entdeckte die ungesicherten, gefährlichen Waffen und rief die Polizei. Die Folge war der sofortige Entzug des Jagdscheins durch die untere Jagdbehörde. Auch seinen Waffenschein forderte die Stadt Göttingen zurück. Er aber meldete ihn als angeblich verloren.

Beschämt sei er gewesen, sagt er, "weil ich doch als Ausbilder agiere". Die Konsequenz, die er zog, war eine illegale: Er heuerte einen Strohmann an. Fortan war ein Jagdgenosse angeblich Eigentümer der Waffen der Jagdschule und ließ diese auf seine Waffenbesitzkarte eintragen. Tatsächliche Gewalt übte der Strohmann aber nicht darüber aus. Er hatte nicht einmal einen Schlüssel für den Waffenschrank. Das gab der Strohmann der Polizei zu Protokoll, nachdem der Schwindel aufgeflogen war. Den daraufhin verhängten Strafbefehl wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz akzeptierte der erwischte Strohmann sofort.

Am Freitag nun saß der Jagdschulen-Inhaber vor dem Amtsrichter. Der verbotene Besitz von 14 Schusswaffen wurde ihm vorgeworfen. In einer zweien Anklage wurde der Kauf zweier weiterer Flinten bei einem Jagdwaffenhersteller in Kassel angeklagt, bei dem der Göttinger die als angeblich verloren gegangene Waffenbesitzkarte vorgelegt haben soll. Sämtliche Waffen waren bei einer Durchsuchungaktion der Poliei in der Jagdschule beschlagnahmt und eingezogen worden. Bei der Gelegenheit wurden 12 040 Euro, versteckt in einem Waffenschrank, gefunden. Geld, das der 35-Jährige für Schießübungen mit seinen illegalen Waffen verdient hat, obwohl er erst 2013 die Eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, also eigentlich mittellos hätte sein müssen.

Einen Strafbefehl hatte der 35-Jährige angefochten. Vor dem Amtsrichter mühte er sich mit seinem Anwalt, wenigstens Waffen und Geld zurückzuerhalten. Da bissen beide auf Granit: "Bei Waffenrechtsverstößen hört der Spaß auf", sagte Richter Ehsan Kangarani, zumal der Angeklagte auch noch 226 Kilogramm Munition gehortet hatte. Erst als der 35-Jährige alle Taten einräumte und beteuerte, sich "inzwischen komplett aus der Schießschule zurückgezogen" zu haben, wurde ihm die Läuterung geglaubt. "Zerstören Sie die Waffen, ich will ein Zeichen setzen", sagte er theatralisch. Und so geschieht es: Die Staatsanwaltschaft wird 14 Gewehre, Flinten und Revolver einschmelzen lassen, 226 Kilo Munition vernichten. Die 12.040 Euro behält der Staat. Und der Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 30 Euro (2700 Euro) wird außerdem rechtskräftig.

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